“Das braucht nicht jeder”
6. Dezember 2008 | Kategorie: Hochschule Keine Kommentare »Wie kann es vermieden werden, dass sich der Engpass auf dem Gebiet der Berufsfeldorientierungskurse ständig wiederholt? DER ALBRECHT sprach mit Dr. Detlef Ufert, dem Geschäftsführer des Zentrums für Fremdsprachenausbildung, IT- und Medieneinsatz. Das Gespräch führte Bastian Kruse.
DER ALBRECHT: Das ZFIM kenne ich persönlich hauptsächlich wegen der Computerkurse…
DETLEF UFERT: Das ist eigentlich der kleinste Teil. Neben IT-Kursen bietet das ZFIM selbst inzwischen Module an in Bereichen wie Kommunikation und Methodik, Management, Berufsfeldorientierung und im Praktikumsbereich. Dabei hilft uns sehr, dass wir dieses Wintersemester zwei neue Stellen bekommen haben und unsere Dozenten sehr viel Praxiserfahrung mitbringen, weil sie von außerhalb kommen. Dieses Angebot an Schlüsselqualifikationen ist nicht nur für Studierende unserer (d.h. der Philosophischen. Anm. d. Red.) Fakultät von Interesse, sondern teilweise auch für BA-Studierende anderer Fakultäten. Ein Ziel der Bachelor-Ausbildung ist es ja, verstärkt berufliche Orientierung zu bieten – gerade für Geisteswissenschaftler mit eher unspezifischen Berufsfeldern ist dies sicher hilfreich. Im Bereich Berufsfeldorientierung gibt es in diesem Semester drei Module von Lehrbeauftragten, die direkt in den jeweiligen Berufsfeldern tätig sind.
DER ALBRECHT: Wie sind Sie an diese neuen Lehrkräfte gekommen?
DETLEF UFERT: Das sind zum einen ganz normale Stellenausschreibungen gewesen.
DER ALBRECHT: … und die bewerben sich dann auch tatsächlich…?!
DETLEF UFERT: Ja, durchaus. Und bei den Lehrbeauftragten lief es über persönliche Kontakte.
DER ALBRECHT: Kommen wir zurück zu den Berufsfeldorientierungskursen. Gibt es Bestrebungen, da neue Kurse zu schaffen? Wo Sie doch sehen, dass der Ansturm dort so groß ist…
DETLEF UFERT: Das ist natürlich nicht so einfach. Man wird nie ein Angebot mit einem Umfang haben können, das alle Wünsche abdeckt. Vielleicht kann man noch ein, zwei Lehraufträge in diesem Bereich zusätzlich schaffen. Das ist dann aber wieder Angelegenheit des Dekanats der Philosophischen Fakultät, denn das sind Mittel, die von dort bereitgestellt werden müssen.
DER ALBRECHT: Das heißt, da könnte man ja mal fragen, ob die das wollen.
DETLEF UFERT: Da kann man natürlich nachhaken. Aus studentischer Sicht ist da sicher Bedarf …
DER ALBRECHT: … wie man ja anhand der Zahlen recht gut sehen kann …
DETLEF UFERT: Ja, das kann man schon sehen.
DER ALBRECHT: Der Sinn der Fachergänzung im Rahmen des Bachelorstudiums ist ja eigentlich die Berufsfeldorientierung. Zumindest soll es einen Einblick in die Berufspraxis sein. Es heißt ja immer, der Vorteil vom Bachelor sei, es sei alles neu, alles auf einmal ganz praktisch. Und wenn man dann sieht, es sind drei Kurse, die das tatsächlich tun…
DETLEF UFERT: Das beschränkt sich ja nicht auf diese drei Module. Module wie zum Beispiel Rhetorik, Konfliktmanagement, Interkulturelle Kommunikation, Betriebswirtschaft für Geisteswissenschaftler, ganz besonders natürlich das Praktikum sind ebenso wichtig für die Berufspraxis. Es geht letztlich darum, zusätzlich zu den beiden Fächern, die man hat, ein eigenes Profil zu entwickeln, das förderlich ist für einen späteren Berufsweg. Es kann ja auch sein, dass es für den einen Studierenden sinnvoll ist, dies nur im IT-Bereich zu machen, für jemand anderes eher eine zusätzliche Sprache zu lernen, oder möglicherweise auch Module eines weiteren Faches zu belegen. Die drei Module der Berufsfeldorientierung sind als eine Möglichkeit gedacht, in Berufsfelder hineinzusehen. Das ist nichts, was man machen muss. Und das braucht auch nicht unbedingt jeder.
DER ALBRECHT: Mich würde es freuen, wenn wir im nächsten Semester mehr Journalismuskurse hätten. Momentan weiß man schon, wenn man sich darauf bewirbt, dass es eigentlich nichts wird.
DETLEF UFERT: Das werden wir versuchen. Ein Problem dabei ist auch, Dozenten dafür zu finden. Das können letztendlich nur Leute mit Idealismus machen, weil die Bezahlung sehr niedrig ist. Das beginnt bei etwa 18 Euro die Stunde. Da gibt es an der Volkshochschule eventuell mehr.
DER ALBRECHT: Wie versuchen Sie denn dann, Anreize zu schaffen, damit diese Leute kommen und unterrichten?
DETLEF UFERT: Das geschieht in der Regel über persönliche Kontakte. Aber angesichts der Rahmenbedingungen ist es nicht leicht, jemanden zu finden, der die nötigen Voraussetzungen mitbringt und Interesse an einem solchen Lehrauftrag hat.
DER ALBRECHT: Danke für dieses Gespräch.