Sneak 1.0 – Das Abenteuer
6. Dezember 2008 | Kategorie: Kultur Keine Kommentare »von das pommus und Tim Goslar
Studenten drehen gerne jeden Cent zwei Mal um. Alles wird durchgerechnet und kalkuliert. Muss ja auch Sinn machen, wofür man Geld ausgibt. Und wenn es nur für den Kater danach ist. Nun kann man aber ein Mal in der Woche risikofreudig sein. Die Sneak-Preview jeden Mittwochabend im Neuem Studio macht es möglich. In kleiner familiärer Runde werden Eintrittskarten, Bier, Popcorn und weitere Schmankerl verlost, eine Rede zum fünfminütigem Filmspecial gehalten und Eis verkauft. Die vier Euro für die Eintrittskarte können dabei ein Schnäppchen werden, einfach vier Euro wert sein oder auch zum Fenster rausgeschmissenes Geld. Jedes Mal ist es anders, nur eins bleibt gleich:Die eingeschlafenen Füße, die in der Colahalterung festklemmen.
Zu weiße Zähne für fünf Jahre Krieg
Wir befinden uns im China des 19. Jahrhunderts. Das Reich ist zerfallen, Armut herrscht und Krieg regiert das Land. General Pang hat soeben eine Schlacht verloren und schleppt sich als einziger Überlebender vom Schlachtfeld. Er versteckt sich unter seinen gefallenen Soldaten – nicht etwa nur, um zu überleben. Nein, er hat höhere Ziele, die es umzusetzen gilt. Ist vielleicht doch entschuldbar, was zunächst den Eindruck bloßer Feigheit erweckt? Nach der Niederlage findet er Anschluss an eine Verbindung von Räubern, die versuchen mit Überfällen ihr Dorf zu ernähren. Pang hat als General der Armee unter ihnen nichts verloren, er soll verschwinden. Ein Übergriff auf das Dorf, bei dem sämtliche Lebensmittel entwendet werden, gibt ihm jedoch Gelegenheit die Banditen zu überzeugen, der Armee beizutreten. Sold und Nahrung sind ausreichende Motivation. Zum Beweis des Vertrauens muss Pang allerdings noch Blutsbruderschaft mit den beiden Anführern des Dorfes schließen. Während ihres Siegeszugs gegen die Rebellen gewinnt die Geschichte schnell an Komplexität. Pang duldet keinerlei Übergriffe seiner Soldaten auf das Volk – für ein freies China bedarf es der Gleichstellung aller. Dennoch setzt er sich über die Absprachen seiner Verbündeten hinweg und lässt viertausend Soldaten hinrichten, um genügend Nahrung für den nächsten Angriff zurück zu behalten. Seine Ideale stehen über dem geleisteten Schwur. Zudem werden mit zunehmenden Siegen andere Parteien wach, die die Macht Pangs einschränken wollen und so das Bündnis vollends aus dem Gleichgewicht bringen. „The Warlord“ ist ein Kriegsepos, zu dem nicht viel mehr zu schreiben ist als bisher geschehen. Die Bilder sind zwar aufgrund der monumentalen Szenerie beeindruckend und letztlich begeistert die eigene Ästhetik, die die Kälte des Krieges, die Emotionen und innere Zerrissenheit der Beteiligten einfängt. Doch wenn der Hauptdarsteller nicht einmal weiß, was ihn überleben ließ, ob die Wärme der Suppe oder die der Frau – beiden begegnet er nach der anfänglichen Niederlage – dann steht dies symptomatisch für den ganzen Film. Soll man sich für ihn aussprechen oder sich lieber einer Wertung enthalten? Sicher ließen sich die vielfältigen Bezüge nach Absolvierung eines Sinologiestudiums eindeutiger fassen, doch dem Normalzuschauer stellt sich nicht mehr dar als ein Actionfilm.