Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Leseratte bald Aasfresser?

von das pommus

Das Buch – für den Studenten lebenswichtig. Egal welcher Studiengang gewählt wird, ohne Bücher ist er nicht zu bewältigen. Es fängt bei dem Duden an. Wobei der eigentlich im Bücherregal einstaubt, denn er wird ersetzt durch die Rechtschreibhilfe in Textverarbeitungsprogrammen und digitale Nachschlagewerke im Internet.

Seit Jahrhunderten ist das Buch eine wichtige Informationsquelle, Datenträger und Unterhaltungsmedium. Mit dem Buch wird Zeitgeschehen festgehalten, Befunde, Meinungen und der Wandel von Sprache und Schrift. Mit Aufkommen des Internets scheint es allerdings in den letzten Jahren an Wert zu verlieren. Viel wird im Internet recherchiert, aufgezeichnet und dokumentiert. Das Internet ist für die meisten Studenten zu jeder Zeit nutzbar, es ist preiswert, international und übermittelt Nachrichten schneller als alle anderen Medien. Noch wird das Internet in der Quellenangabe einer Hausarbeit nur teilweise geduldet und man kann nur hoffen, dass das so bleibt. So könnte es Aufgabe einer Buchmesse sein, für die Erhaltung des herkömmlichen Buches zu plädieren. Mit einem E-Book ist es möglich aus dem Internet gewünschte Bücher herunterzuladen. Auf der Buchmesse wurde unter anderem diskutiert, ob sich ein Gerät wie dieses in den nächsten Jahren behaupten kann.

147.000 Besucher stöberten in den Regalen der Buchmesse - Foto das

147.000 Besucher stöberten in den Regalen der Buchmesse - Foto das

Mit 14 Prozent mehr Besuchern als im Vorjahr wurde dieses Jahr der hausinterne Rekord der Buchmesse gebrochen. 2100 Aussteller überfluteten auf einem verhältnismäßig kleinen Raum den Besucherstrom mit Informationen. Nicht nur Aktuelles und das Lesebuch für Unterwegs waren Themen der Messe, auch die 15. Leipziger Antiquariatsmesse sowie der Comicbereich in Halle 2 zogen seine eigenen Besucher an. Vor allem durch Letzteres gewann die Messe an Farbe und Besonderheit – mit zu groß geratenen Kostümen, Frisuren und Pappwaffen aus der Mangawelt. Auch wenn es Nichts mit dem eigentlichem Lesevergnügen zu tun hat, gehört es schon seit langem dazu. Denn solche Sachen sehen nicht nur interessant und lustig aus, nein, sie erinnern jeden daran, dass das Buch, nur aus Buchstaben bestehend, Gold wert ist und mit nichts dergleichen zu ersetzen ist. Auch hat man wahrscheinlich versucht, die Kunsthochschulen an einem Übergriff auf Halle 2 zu hindern, indem man sie in die gegenüberlegenden Messehallen platzierte. Sie sind dort, weil neue technische Mittel es möglich machen, auch reine Textbücher immer individueller zu gestalten. So war auch für jeden Design- oder Graphikstudenten genug zum Anschauen da, denn Kunsthochschulen aus ganz Deutschland werden immer wieder von der Leipziger Buchmesse angezogen.

Nicht nur das Neue Messegelände selbst war überfüllt von Menschenmassen, sondern durch begleitende Programme wie „Leipzig liest“ auch die Kaufhäuser, Kneipen und Bibliotheken der Stadt. Autoren wie T.C. Boyle, Wladimir Kaminer und Sarah Kuttner und Sonja Kraus stellten ihre Werke in mehreren Interviews und kleinen und großen Vorlesungen über mehrere Tage und Nächte vor.

Angst vor einer Ablösung des Buches, sei nach Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe, unbegründet. Die vielen Besucher ließen sich kaum auf neue technische Errungenschaften zurückführen, denn die Stände von Sony mit dem E–Book blieben verhältnismäßig wenig besucht. Auch junge Besucher hatten es nicht nur auf japanische Zeichenkunst abgesehen. Marzin meint: “Die Messe hat gezeigt, dass die Gesellschaft das Buch braucht – zur Zeit mehr denn je”.

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