“Mein persönlicher Tipp waren 50,8%”
14. April 2009 | Kategorie: Gesellschaft Keine Kommentare »Torsten Albig im Gespräch
von Michael Saitner
Kaum gewonnen, schon steht er dem ALBRECHT Rede und Antwort. Kaum einer hatte mit einem so schnellen und deutlichen Sieg gerechnet – am wenigsten wohl der künftige Oberbürgermeister selbst. Torsten Albig bekam am 15. März im ersten Wahlgang bereits die absolute Mehrheit, 52,1% stimmten für ihn. Ein wenig gedulden muss er sich noch, denn der Amtsantritt ist erst am 17. Juni. Kurz nach dem unerwarteten Sieg sprach er mit dem ALBRECHT.
DER ALBRECHT: Herr Albig, gewonnen im ersten Wahlgang – hatten Sie damit gerechnet?
TORSTEN ALBIG: Zu Beginn des Wahlkampfs sicher nicht – das wäre für den Herausforderer gegen die Amtsinhaberin auch etwas vermessen gewesen. Aber am Ende merkte man, dass die Stimmung in Kiel sehr freundlich war und dass ich die Wahl gewinnen kann. Mein persönlicher Tipp waren 50,8% – nicht so schlecht, oder?
DER ALBRECHT: Wie erklären Sie sich dieses überraschende Ergebnis?
TORSTEN ALBIG: Zentral ist ganz sicher, dass Kiel strukturell eine sozialdemokratisch wählende Stadt ist und es uns wieder gelungen ist, dieses Potenzial abzurufen. Die SPD hat einen sehr motivierten und engagierten Wahlkampf geführt, der von dem Willen getrieben war, die schmerzhafte Niederlage von vor sechs Jahren ungeschehen zu machen. Darüber war das Thema „Zustand unserer Schulen“ geeignet, bis tief in das bürgerliche Lager hinein Zustimmung zu erzeugen.
DER ALBRECHT: Wen haben Sie als erstes angerufen am Wahlabend und warum?
TORSTEN ALBIG: Ich glaube, ich habe an dem Abend niemanden angerufen – aber ich habe sehr viele Anrufe bekommen. Zu den ersten Gratulanten gehörten übrigens der Ministerpräsident und Peer Steinbrück. Das hat mich sehr geehrt.
DER ALBRECHT: Wenn Sie an Frau Volquartz denken: Schadenfreude oder Mitleid?
TORSTEN ALBIG: Weder noch. Sie hatte 6 Jahre lang einen der schönsten Jobs in Deutschland. Jetzt habe ich ihn. So ist das nun mal in einer Demokratie.
DER ALBRECHT: Genießen Sie die verbleibenden Wochen in Berlin oder wären Sie nach der Wahl lieber direkt in Kiel geblieben?
TORSTEN ALBIG: Für die Wähler ist das sicher ungewöhnlich: Man wählt den neuen OB und dann sieht man ihn drei Monate nicht. Man sollte schon darüber nachdenken, Wahltermin und Amtsantritt näher aneinander heranzurücken. Mir gibt es allerdings die Möglichkeit, meine Tätigkeit in Berlin vernünftig zu Ende zu bringen und zu übergeben. Noch einmal Ecofin in Prag und Brüssel, noch einmal G7-Finanzministertreffen in Washington.
DER ALBRECHT: Was ist das erste, was in Ihr Büro im Rathaus kommt? Was ist das Wichtigste?

Freut sich auf seinen neuen Job: Torsten Albig - Foto facebook
TORSTEN ALBIG: Ich trage ein paar Erinnerungsstücke mit durch mein Leben. Beim Abschied aus Kiel Anfang 2006 habe ich zum Beispiel von dem Kieler Stadtmuseum ein wunderbares Gemälde des Kieler Künstlers Hans Rickers bekommen, das die Schwentinemündung mit Hafenanlagen zeigt. Das hängt jetzt in Berlin gegenüber von meinem Schreibtisch. Das Bild kommt nun zurück nach Kiel. Und das Büro bekommt endlich einen ordentlichen PC-Arbeitsplatz. Ohne den kann ich nicht arbeiten.
DER ALBRECHT: Dienstwagen für den Oberbürgermeister? Luxuslimousine oder Ökologischer Mittelklassewagen? Oder Fahrrad?
TORSTEN ALBIG: Das, was da ist, werde ich nutzen. (Ein standesgemäßer 5er-BMW; Anm. d. Red.) Ein Oberbürgermeister braucht einen ganz normalen Dienstwagen. Das ist Teil des Arbeitsplatzes. Aber für den Weg zur Arbeit werde ich – wie sonst auch – bei schönem Wetter so oft es geht auch das Fahrrad nutzen.
DER ALBRECHT: Holstein oder THW? Oder Bielefeld?
TORSTEN ALBIG: Holstein und THW! Und bitte die Canes nicht vergessen. Eine Landeshauptstadt braucht erfolgreichen Spitzensport. Das ist ein wichtiges Aushängeschild für uns. Der THW tut für den Namen Kiel mehr in Europa als wir jemals durch Marketing bezahlen könnten. Persönlich komme ich vom Fußball und es wäre toll, wenn wir die Begeisterung in der Ostseehalle – oh pardon „Sparkassenarena“ – auch öfter ins Holstein-Stadion übertragen könnten. Dann klappt das auch mit dem Aufstieg der Störche. Das täte Kiel gut. Aber mein Fanherz wird immer der Arminia gehören – denn man sucht sich ja nicht seine Mannschaft aus – die Mannschaft sucht Dich aus!
DER ALBRECHT: Ihr Motto für die Zukunft als Oberbürgermeister?
TORSTEN ALBIG: Wir lassen keinen zurück!