Lüstern lesen
15. Mai 2009 | Kategorie: Kultur Keine Kommentare »von Kristiana Ludwig
Der Einzige, der an diesem Abend fehlt, ist wohl ein Saxophonist, der mit geschlossenen Augen den Blues spielt. Sonst ist alles da, was „Lust bereitet“, wie es einer der Gastgeber nennt. Kleine Leuchten geben gedämpftes Licht ab, auf den Tischen stehen Käseplatten, Trauben, Brot und Wein. Und im Mittelpunkt das Objekt der Begierde: ein gutes Buch. Oder zumindest ein kontroverses. Der „Schlund der Lust – eine hermeneutisch abgeriegelte Veranstaltung“ will die sinnliche Seite des Lesens herauskitzeln. Und zwar aus Trotz. Denn warum sollte es nur dem Kenner literarischer Schmöker oder philosophischer Schriften vergönnt sein, genussvoll Zeilen zu verschlingen? Warum nicht auch denen, die sich Theorien zu Gemüte führen, die gemeinhin als eher trocken gelten? Denen, die Wissenschaftliches lesen – und sei es Pädagogisches.
So kann das geneigte Publikum, Wein schlürfend und Trauben essend, vier Pädagogikstudenten und einem Diplom-Pädagogen lauschen, während diese auf Sofas über Thesen sprechen. Wie die von Michael Winterhoff, der auflagenstark fragt, „warum unsere Kinder Tyrannen werden“. Oder über Phänome wie das des berühmt gewordenen Zauberlehrlings Harry Potter. Und weil es um Lust geht, an Literatur und Diskussionen, darf auch jeder einsteigen. Wenn er sich hingezogen fühlt.
Der leidenschaftliche Lesekreis trifft sich alle zwei Wochen donnerstags um 20 Uhr in der Olshausenstraße 75, Gebäude D. Das nächste Mal am 28. Mai. Wer es aber lieber einmalig und intensiv mag, sollte am 17. Juli kommen. Zur langen Nacht der Pädagogik.