Auf die Elite!
16. Mai 2009 | Kategorie: Glosse Keine Kommentare »Ein Blick in die Augen kann vieles verraten. Im idealen Fall ist es die wahre, ewig währende Liebe, in der Realität – gepaart mit einem falschen Lächeln – ist es meist purer Neid. Neid auf eine Note, Neid auf einen ergatterten Erasmusplatz, Neid auf die deutlich schickere Federtasche des Sitznachbarn…
Was zunächst harmlos klingt, bedeutet an der Hochschule eiskalte Konkurrenz. Die Absolventenzahlen übersteigen schon längst die Anzahl heißbegehrter Jobangebote. „Wer was erreichen will, muss sich hervorheben, muss aus der Masse stechen“, steht gleich auf der ersten Powerpoint-Folie eines jeden Bewerbungscoaches. Was auf der Mikroebene erbitterten Kampf im studentischen Alltag bedeutet, gilt auch auf der Makroebene, die bereits eine europäische Dimension erreicht hat. „Wettbewerb zwischen Hochschulen“ soll die Forschung antreiben. Investigativer Vorreiter zu sein sichert einem nicht nur einen guten Ruf bei Studierenden und Professoren, sondern auch Auftraggeber.
Die Elite-Hochschule Göttingen hatte da schon einen guten Weg gefunden. Um für die Forschung wichtige Drittmittel zu erhalten, erfanden 16 Wissenschaftler kurzerhand schmückende Publikationen und Manuskripte. Schade, dass der schurkische Schwindel nun aufgeflogen ist. Der gute Ruf ist dahin. Gut für die Anderen: ein Konkurrent weniger auf dem Bildungsmarkt. Die Mikroebene der Hochschule Göttingen hat sich dabei wohl das eigene Grab geschaufelt. Denn der entscheidende Tipp kam aus den eigenen Reihen. Ein Blick, ein falsches Lächeln verraten eben viel.