Muscheln vs. Mehlschwitze
20. Juli 2009 | Kategorie: Hochschule Keine Kommentare »Neues Restaurant macht der Mensa Konkurrenz
von Bianca Maierhofer

Von der Tristesse zur Delikatesse? - Foto SN
Bereits seit Monaten mehren sich Gerüchte um ein geplantes Restaurant auf dem Christian-Albrechts- Platz (kurz CAP). Kommt es, kommt es nicht? Um was für eine Art von Gaststätte wird es sich handeln und wie sieht es mit dem Denkmalschutz aus?
So viel sei gesagt: Es kommt, und es wurde bereits mit einigen Vorbereitngsmaßnahmen begonnen. Wie dem einen oder anderen vielleicht aufgefallen sein mag, wurde der Brunnen vorm Eingang des Audimax grundsaniert, auch wurde vorausschauend Platz geschaffen, was sich an der Umsiedelung des Fahrradladens bemerkbar gemacht hat. Das Projekt steht bereits in den Startlöchern, jedoch sind die endgültigen Verhandlungen mit dem Betreiber noch nicht abgeschlossen. Auch die Uneinigkeiten mit der Denkmalpflege sind noch nicht gänzlich überwunden (die Kieler Nachrichten berichteten am 07.11.08).
Nicht jeder kann sich mit diesem Gedanken sofort anfreunden. Ist eine weitere Gaststätte wirklich nötig? Doch diese Veränderung wäre nicht die erste im vorderen Bereich des CAPs. Früher gab es dort nämlich keine Campus Suite, keinen Bäcker, keinen Fahrradmann. Da herrschte gähnende Leere auf einer toten Betonwüste. Heute gehört die Ladenzeile zum Studentenleben wie Omas Mehlschwitze in die Mensasoße. Jetzt haben wir 2009 und die Belebung des CAPs soll weiter ausgebaut werden.
Die Gestaltung des Gebäudes geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, wobei noch nicht preisgegeben wurde, wie es genau aussehen wird. Ein Kommentar von Torsten Schulz von der Liegenschaftsverwaltung und Fuhrparkleitung: „Das Restaurant soll sich natürlich in die Gesamtarchitektur des CAPs einfügen.“ Für manche mag dies wie eine Drohung klingen, in jedem Fall aber wird das Resultat mit Spannung erwartet.
Die Spekulationen darüber, dass der Brunnen komplett als Baufläche dienen soll, können negiert werden. Im Gegenteil: Er soll so gestaltet werden, dass er zu einem maritimen Ambiente des Restaurants beiträgt. Geplant ist zum Beispiel ein weiteres Becken mit einem Wasserspiel, das nach dem CAU-Logo oder Schriftzug gestaltet werden könnte. Auch war die Rede von Glasplatten auf Teilen des Brunnens, auf denen vielleicht Sitzgelegenheiten angeordnet werden. An Ideen mangelt es offensichtlich nicht. Nach diesem Sommer werden sich die Einzelheiten höchstwahrscheinlich geklärt haben, sodass ein Termin für den Baustart festgelegt werden kann.
Das Grundkonzept des Restaurants ist es, dass Studenten und Dozenten ihr Frühstück oder Mittagessen alternativ in gepflegterer Athmosphäre zu sich nehmen können, als es momentan im lauten Mensagetöhse zwischen Discoflyern der Fall ist. In den Abendstunden könnte es als Studentenbar genutzt werden. Das Alles natürlich zu humanen Preisen. Kurzum: Das Restaurant soll eine Bereicherung für alle darstellen und die Vielfalt des bereits bestehenden Angebots erweitern.
So wird es zumindest beschönigend dargestellt. Doch für wen wird es sich bei diesem Projekt wirklich um eine Bereicherung handeln? Kann es nicht auch passieren, dass die Studenten wiedereinmal Opfer einer Selektionsmaßnahme werden und der Otto-Normal-Student mit kleinem Budget und offenem Mund leider nur vor dem neuen, schicken Restaurant steht und den Dozenten oder bessersituierten Studenten beim Amüsieren in martimer Athmosphäre zusehen muss? Denn auch wenn die Preise gemäßigt werden, können sie wohl kaum mit dem Mensaniveau mithalten. Wie sich das Projekt wirklich entwickelt, kann natürlich erst in geraumer Zeit festgestellt werden. Vorerst heißt es: Abwarten und Mensa-Tee trinken. Der Albrecht bleibt am Ball.