Brainstorming für die Menschlichkeit
21. November 2009 | Kategorie: Gesellschaft Keine Kommentare »Kieler Medi-Büro in der Planungsphase
von Andrea Weinke
Was ist eigentlich illegal? Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Hanf auf der Fensterbank, Diebstahl, Schwarzfahren, Hausbesetzung, Kinderarbeit, Drogenhandel, Folter, die Todesstrafe, Menschen… Menschen? Menschen! Ohne gültige Aufenthaltspapiere in Deutschland Lebende, gelten als illegal. Sie haben keinen geklärten Aufenthaltsstatus – und damit kein Recht auf den Sozialstaat Deutschland. Kein Wahlrecht, keine finanzielle Unterstützung, keine Möglichkeit eine Wohnung zu mieten, kein Recht die Dienste der Tafel in Anspruch zu nehmen, keine Arbeit oder Ausbildung, keine Unterstützung, keine Krankenversicherung.
Getreu dem Motto „Nur nicht krank werden“ leben viele illegale Migrantinnen und Migranten in Deutschland. „Aus Angst entdeckt und ausgewiesen zu werden verschleppen sie Krankheiten und gehen nur in Notfällen zum Arzt“, weiß Mona Gallar von der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e.V. Die Organisation leistet Flüchtlingshilfe. Sprachkurse und Migrationsberatung gehören genauso zu ihrer Arbeit, wie Lebenshilfe in vielen anderen Bereichen. Bald soll sich auch das Medi-Büro zu den zahlreichen Projekten dazugesellen, dessen Ziel es sein wird, Einwanderern ohne Papiere einen Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewähren.
Momentan steckt das Kieler Medi-Büro noch in der Planungsphase. Viele Fragen sind bislang noch ungeklärt: Wie oft in der Woche soll das Medi-Büro geöffnet haben? In welchem Umfang wird dort Hilfe geleistet werden können? Wo liegen die Grenzen eines Medi-Büros? Welches und wie viel medizinisches Fachpersonal wird gebraucht? Welche Daten werden dokumentiert? Welche Rechtsform wird das Medi-Büro haben? Wie steht es mit der ärztlichen Schweigepflicht? Vorbild könnte das Medi-Büro in Berlin sein. Seit einigen Jahren wird dort erfolgreich und unkompliziert Hilfe geleistet. Neben einer medizinisch geschulten Person ist auch immer ein Pädagoge vor Ort. Je nach Leiden der Patienten werden sie weitervermittelt und Notfälle erstversorgt. Da die Betroffenen meist keine Eigenbeteiligung an den Kosten erbringen können, wird das Medi-Büro auf Spendengelder und ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen sein.
Es wird noch einige Zeit dauern bis das Medi-Büro seine Arbeit aufnehmen kann. „5-6 Monate werden wahrscheinlich noch vergehen bis alles organisiert ist.“ verrät Mona Gollar. „Wer jedoch Interesse hat, ist jeder Zeit eingeladen mitzumachen.“ Damit sind nicht nur Mediziner gemeint. „Egal was studiert wird, wir brauchen Leute aus jedem Bereich damit das Projekt läuft.“ grinst Mona Gollar. Wenn Ihr Lust habt das Medi-Büro entstehen zu sehen und Euch aktiv daran beteiligen möchtet, meldet Euch per Mail bei der Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e.V. unter info@zbbs-sh-de.