Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Liliencron-Dozentur 2009: F.W. Bernstein

Die Welt im Spiegel zu Gast bei literarischen Freunden

von Johannes Dreibach

Im Rahmen der diesjährigen Liliencron-Dozentur für Lyrik hatte das Literaturhaus Schleswig-Holstein Fritz Weigle – besser bekannt unter seinem Künstlernamen F. W. Bernstein – ausgewählt und ihn eingeladen, den literarischen Triathlon aus Lesung, Vorlesung und Podiumsgespräch zu absolvieren. Derselbe präsentierte sich dabei während seiner Lesung am 16. November ausgesprochen entspannt und souverän.

Nach einer freundlichen und moderaten Einführung durch Herrn Dr. Wolfgang Sandfuchs, die nebenbei bemerkt verdächtig nach einem 10-minütigen Google-Quickie klang (und das ist etwas, was den Journalisten vorbehalten bleiben sollte), begann die Lesung zunächst mit einer multimedialen Komponente: Weigle, der stets sowohl literarisch als auch graphisch gearbeitet hat, kombinierte seine Lesung mit kleineren zeichnerischen Einlagen.

Es waren keine Stunden der großen Lacher oder Schenkelklopfer, eher des nachdenklichen Schmunzelns. Gelesen wurden Prosa, Lyrik und Drama des Dozenten, sowie einige kleinere Auszüge aus Werken von alten Freunden wie Robert Gernhard und F.K. Waechter oder die ins Englische übersetzte Fassung des bekannten Vierzeilers „Horch, ein Schrank geht durch die Nacht,/ voll mit nassen Hemden…/ den hab ich mir ausgedacht,/ um euch zu befremden.“, die Harry Rowohlt Weigle einmal ganz beiläufig zum Geburtstag zugesandt hatte. Gewürzt wurde das Ganze mit kleineren Anekdoten, Randnotizen und biographischen Passagen.

Die feinsinnige Komik, die manchmal geradezu loriot’sche Mimik und die teilweise sanghafte Intonation der Werke waren in ihrem Rhythmusgefühl einer ganz anderen Sphäre entwachsen als die moderne pseudo-omnipotente und rechthaberisch-aggressive Attitüde etwa eines durchschnittlichen Textes der Satire-Zeitschrift „Titanic“, für die Weigle früher selbst schrieb und zeichnete.

Obwohl die Veranstaltung durch das Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU mitgetragen wurde, hatte man das Gefühl, dass die Dozenten in der Überzahl waren, die Anzahl der Studenten blieb ziemlich überschaubar. Das ist zwar irgendwie bitter, ließe sich im Zweifelsfall aber mit der mangelnden Informationsverbreitung, dem Termin am Montagabend und der Tatsache, dass der Besuch der Vorlesung am Dienstag deutlich bequemer ist, erklären. Ob es sich bei solchen Argumenten tatsächlich um die Hauptgründe handelt, soll an dieser Stelle unkommentiert bleiben.

Mit anderen Worten: Es war richtig schön! Oder um es mit den Worten von Bernstein selbst zu beenden: „Keine Sorge, am Ende male ich noch eine Kaffeekanne.“

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