Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Nächtlicher Einkauf

von Bastian Kruse

Neuerdings kann man ja auch mitten in der Nacht noch einkaufen. Das ist ganz nützlich, wenn man so wie ich völlig fertig von einem nächtlichen Seminar wiederkommt und noch schnell was Giftiges zum Magenfüllen ergattern will (in diesem Falle Lasagne für die Mikrowelle – widerliches Zeug).

Ganz entspannend gestaltet sich auch der ganze Einkaufsprozess an sich – der Laden ist nicht wie tagsüber gefüllt mit gestressten Menschen, die so aussehen, als ob sie es gerade fürchterlich eilig hätten… Oh nein! Betritt man um 21:30 Uhr einen Supermarkt, blinzeln einem die Mitarbeiter nur müde entgegen und scheinen fragen zu wollen, ob man sich verlaufen habe.

Darum geht es aber auch gar nicht. Ich fange schon wieder an zu lamentieren. Geisteswissenschaftler, halt. Ich habe jedenfalls eingekauft. Punkt. Und ich werde hier auch nicht ausführen, was. Naja, außer die Lasagne, das wisst ihr ja nun schon.

Ich habe also, nachdem ich für zweieinhalb Kilo Nahrungsmittel 11,83 € bezahlt habe, den Laden zähneknirschend wieder verlassen und mich athletisch auf meinen Drahtesel geschwungen. Da kommt mir ein weibliches Wesen entgegen.

Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich sind etwa 50% der Weltbevölkerung Frauen. Die Frau war in Begleitung eines Hundes. Auch das nicht verwunderlich, schließlich gibt es in Deutschland über fünf Millionen Hunde. Auch die Tatsache, dass der Hund eher wie ein explodierter Wischmopp aussah, störte mich nicht, denn schließlich gibt es wenige Hunde, die nicht so aussehen (oder sich nicht so benehmen).

Im Fell des Mopps befand sich eine mittelgroße Menge Schmutz, die trotz präwinterlicher Dunkelheit gut zur Geltung kam, denn eigentlich hätte es ein weißer Hund sein sollen. Wie dem auch sei, Hund und Frauchen wollten jedenfalls einkaufen gehen, wobei Hund natürlich draußen bleiben muss, was Hund nur deshalb schnallt, weil man ihn vor der Tür festbindet.

Hund stellte sich, von Langeweile betäubt, vor einen zufällig mitten auf dem Parkplatz stehenden Metallzaun und starrte diesen stur an. Das wirkte leicht drogenabhängig. Und nun kam diese Frau daher, sie mag ungefähr 20 Jahre alt gewesen sein, vielleicht auch etwas älter; diese Frau jedenfalls sprach mit dem Hund. Auch das nicht ungewöhnlich, wahrscheinlich hat diese Frau keinen Freund. Da macht man das dann halt so. Bevor man anfängt, mit seiner Lasagne zu reden… oder einen Blog zu schreiben…

Das, was sie sagte, war der Clou des Abends. Sie sagte also zu diesem schmutzigen, ehemals weißen explodierten Wischmopp, der bewegungslos vor dem Metallzaun stand und diesen stumpfsinnig anstarrte: „Ach Aphrodite, was hast du denn…?“ Ich bin nachhaltig stolz auf mich, dass ich erst gelacht habe, als ich schon einige Meter weitergefahren war.

Aphrodite ist nämlich eine der schönsten Frauen der griechischen Mythologie. Wenn nicht gar die schönste. Aphrodites größtes Problem ist ihr Name, der nämlich, wenn man ihn griechisch korrekt ausspräche, in etwa Affrodditäh lauten würde – aber dafür kann sie nichts, denn das ist ein generelles Problem der altgriechischen Sprache.

Mit Sicherheit sah Affrodditäh nicht so aus wie diese schmutzige Flohschleuder. Wie kann man ein Fellknäuel nur Affrodditäh nennen? Das ist ja so, als ob ich meinen Haustier-Grottenolm „Adonis“ nennen würde. Respektlos, so was.

Wie das Frauchen wohl hieß? Oirühdikkäh?

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