Silbermond in Kiel
21. November 2009 | Kategorie: Kultur Keine Kommentare »Das GANZE Interview
von Christian Diers
Vor ihrem exklusiven R.SH Unplugged Konzert in der vom Scheinwerferlicht und Publikum aufgeheizten „größten Sauna Schleswig-Holsteins“ – dem Atrium des Radiozentrums Kiel – stellte sich die aus Bautzen kommende Poprockband Silbermond den Fragen von Kieler Journalisten. Unter ihnen war auch Albrecht-Redakteur Christian Diers, der von Stefanie Kloß (Gesang), Thomas Stolle (Gitarre, Klavier), Johannes Stolle (Bass) und Andreas Nowak (Schlagzeug) unter anderem wissen wollte, wie die Band auf ihren Namen gekommen ist, welche musikalischen Vorbilder sie inspiriert haben und warum Silbermond hauptsächlich mit Balladen in den Charts vertreten ist.

Die Gute-Laune-Band vor dem R.SH-Logo - Foto rsh
DER ALBRECHT: Wie seid Ihr damals auf den Bandnamen „Silbermond“ gekommen?
Stefanie Kloß: Eigentlich eine ganz unspektakuläre Geschichte. Wenn eine Band einen Namen hat, mit dem sie nicht mehr so zufrieden ist, dann überlegt sie sich halt einen neuen Namen. Jeder von uns hatte damals diverse Vorschläge eingebracht, welche die anderen Bandmitglieder meistens ziemlich „Sch …“ fanden. Nowi (Andreas Nowak) hat zum Beispiel ständig im Latein-Lexikon nach passenden Namen gesucht und wir dachten dann immer: „Och nee, nicht schon wieder so’n blöder Latein-Name!“ Irgendwann hast Du natürlich die Schnauze voll vom ewigen Suchen und dann ist Thomas beim Döner-Essen auf den Namen Silbermond gekommen. Das war der erste Namen, der nicht auf sofortige Ablehnung gestoßen ist, sondern über den die Bandmitglieder zunächst einmal nachgedacht haben, weil irgendwie jeder etwas damit anfangen konnte.
Thomas Stolle: Ja, schwer zu sagen, wie ich auf den Namen gekommen bin. Man hat halt so seine Ideen und überlegt sich, wie eine coole Band heißen könnte. Es war wohl damals eher eine Art Verzweiflungsakt, weil wir schon stundenlang überlegt hatten. Und dennoch sind wir selbst 10 Jahre später nicht unglücklich darüber. Ganz im Gegenteil, wir sind sehr zufrieden mit “Silbermond”, weil es viel Freiraum für Interpretationen lässt und gleichzeitig diesen mystischen Touch hat.
Das klingt ein wenig nach „laut gedacht“. Schreibt Ihr Eure Songtexte genauso?
Stefanie Kloß: Mein schreibt ja Songs, um sich mitzuteilen und irgendetwas verarbeiten zu wollen. Das machen viele Musiker. Du kannst einerseits natürlich in Metaphern texten und nicht so direkt sein, was wir insbesondere auf den letzten beiden Alben waren, weil es uns einfach Spaß gebracht hat mit Metaphern zu arbeiten. Aber andererseits wollen wir eben auch direkt und umgangssprachlich sein. Es hat ja keinen Zweck einen „auf Goethe und Schiller zu machen“ und sich sehr gewählt auszudrücken, wenn sich jeder Zuhörer dabei denkt „Mensch, das sagt man doch im Alltag doch so gar nicht!“ Wir schreiben die Texte halt genauso, wie wir sie denken und schreiben über Dinge, von denen wir überzeugt sind. Oder einfach über Dinge, die wir im Alltag beobachtet haben. Ich glaube, wenn man im Alltag einfach mal die Augen auf macht, dann gibt es ganz viele Sachen über die man Lieder schreiben könnte.
Habt Ihr denn eigentlich immer kreative Phasen?
Thomas Stolle: Ja, das wäre schön. Aber es gibt halt immer Phasen, gerade wenn man ein Album schreibt, in denen man in ein kreatives Loch fällt, wo von einem Moment auf den anderen einfach gar nichts mehr geht. Du kannst zwar sicherlich noch Melodien komponieren und Texte schreiben, aber irgendwie findest Du überhaupt nichts mehr richtig gut. So eine Phase hatten wir vor unserem neuen Album, weil wir das Ding so schnell wie möglich schreiben wollten. Wir hatten das Gefühl „etwas zu sagen zu haben“ und hatten schon einige Ideen im Kopf. Und dennoch haben wir bestimmt ein halbes Jahr damit verbracht, Sachen aufzuschreiben und anschließend wieder wegzuwerfen, weil wir total in der Fragestellung gefangen waren, wie Silbermond jetzt eigentlich klingen soll, klingen muss, klingen kann oder klingen darf. Außerdem haben wir uns vom öffentlichen Druck anstecken lassen und dann ging plötzlich gar nichts mehr. Das Einzige, was Du in so einer Situation noch machen kannst, ist die Reset-Taste drücken, indem Du versuchst den Druck von außen auf irgendeine Art und Weise abzuschütteln und Dir darüber klar zu werden, worum es beim Musik machen wirklich geht: Nämlich einzig darum, Gefühle auszudrücken und die Musik zu machen, die einem Spaß bringt. Und nicht darum, was die Leute erwarten könnten und ob sie überhaupt irgendetwas erwarten.
Wie läuft der Entstehungsprozess Eurer Musik ab?
Andreas Nowak: Bei uns ist es vom Grundprinzip so, dass wir uns in der Regel ganz klassisch im Proberaum treffen. Einer fängt meistens an zu spielen und die anderen stoßen dazu. Und wenn irgendetwas Gutes dabei heraus kommt, nehmen wir es auf. Manchmal kommt Thomas schon mit einer Idee in den Proberaum und wir machen dazu eine kleine Jamsession, nehmen diese auf und hören uns das Ganze noch einmal in Ruhe zu Hause an. Anschließend treffen wir uns ein weiteres Mal und jeder versucht seine Eindrücke und Ideen zum aktuellen Tape in die Runde zu werfen. Manchmal spielen wir uns gegenseitig die Bälle zu und finden einen gemeinsamen Nenner und manchmal klappt es halt nicht so gut. Dafür gibt es zwar kein Patentrezept, grundsätzlich gilt aber, dass unsere Songs aus einer Gemeinschaftsarbeit entstehen.
Mit welchen Erwartungen geht Ihr an die Produktion eines Albums?
Stefanie Kloß: Gerade bei unserem aktuellen Album war es echt schwierig, weil wir einerseits unglaublich viele Ideen hatten, andererseits aber nicht viel von dem richtig umsetzen konnten. Daher waren wir erst einmal froh, als wir ein paar fertig geschriebene Songs im Kasten hatten. Und die Erwartungen, die Du an ein Album richtest, entwickeln sich eigentlich im Verlauf seiner Produktion. Es wäre natürlich schön, wenn man bei der Ankunft im Studio schon eine genaue Vorstellung davon hätte, was man denn eigentlich produzieren möchte. Man muss sich im Produktionsverlauf aber erst einmal Fragen stellen wie „Wie wirken die Songs, wenn sie aufgenommen sind?“ oder „In welche Richtung soll die Soundphilosophie des Albums überhaupt gehen?“. Was wir allerdings schon vor den Studioaufnahmen wussten, war die Zielvorgabe, diesmal ein Album herauszubringen, dass sich deutlich von unseren Vorgängeralben unterscheiden sollte. Soundtechnisch haben wir die verrücktesten Dinge ausprobiert, wie z.B. mal einen Shaker einspielen, indem wir mit dem Besen auf dem Hof gekehrt und das Ganze dann aufgenommen haben. Zwar haben Soundexperimente wie diese auf dem Album nie Verwendung gefunden, aber wir haben es zumindest einmal ausprobiert und konnten dadurch unseren musikalischen Horizont erweitern. Und das war das eigentliche Hauptziel.
Habt Ihr musikalische Vorbilder, die Euch beeinflusst haben?
Thomas Stolle: Musik und jede Art von Kunst beeinflusst einen natürlich, wenn man Radio hört oder irgendeine Lieblingsband hat. Das geht bei uns von “Rammstein” über “Red Hot Chili Peppers” und “Alanis Morissette” bis hin zu “Coldplay”. Wir kopieren selbstverständlich nichts bewusst von anderen Musikern, aber wir lassen uns halt von anderen Künstlern inspirieren, wenn ich zum Beispiel mal ein Gitarrenriff von “The Edge” ausprobiere und mir dann überlege, wie man das Riff ein wenig variieren könnte. Aber das geht wahrscheinlich allen Musikern so, dass Dich alle Dinge, die Du siehst, hörst und erlebst in irgendeiner künstlerischen Form beeinflussen.
Ihr kennt Euch ja nun schon ziemlich lange und trotzdem stimmt die Chemie noch bei Euch. Wie macht Ihr das?
Stefanie Kloß: Wir sind ja bereits in unserem 11. Jahr unserer Profikarriere, kennen uns als Musiker aber schon wesentlich länger und spielen seit unserem 13. oder 14. Lebensjahr zusammen in einer Band. Und das ist ja schon eine ganze Weile, in der man viel miteinander erlebt und sich gegenseitig kennen lernt. Ich glaube, es ist nicht unbedingt selbstverständlich, einen so langen Zeitraum miteinander zu verbringen und dabei die Macken der anderen Bandmitglieder so intensiv kennen und respektieren zu lernen. Wir hatten es nicht immer einfach und mussten im Verlauf unserer Karriere viele Hindernisse überwinden, obwohl es von außen vielleicht eher so aussah, als ob immer alles „total easy“ gewesen ist. Nach dem Motto: “Silbermond veröffentlichen ihre erste Single und dann geht’s einfach weiter.” Aber so war es nicht, denn wir mussten zum Beispiel für unser erstes Album sehr viel kämpfen und solche Erfahrungen schweißen dann natürlich zusammen.
Wie schafft man es, so viele Jahre miteinander Musik zu machen und dabei die Leidenschaft immer noch dafür aufrecht zu erhalten?
Andreas Nowak: Musik ist eine Leidenschaft. Ich denke, so ähnlich wie die Leidenschaft zum Essen. Die verliert man ja auch nie, sondern sie wird eher noch größer mit den Jahren (….) (alle lachen)
Stefanie Kloß: Wir haben am Anfang unserer Karriere mal gesagt: „Wenn wir irgendwann mal auf die Bühne gehen sollten und nicht mehr aufgeregt sind, dann stimmt irgendetwas nicht!“ Bislang waren wir bei jeden Auftritt immer nervös, weil es etwas ganz Besonderes ist auf die Bühne zu gehen und gleichzeitig für uns ein Zeichen ist, dass wir unseren Beruf gerne machen. Wir sind selbst heute immer noch total aufgeregt, weil wir natürlich nichts falsch machen und unseren Fans auf der Bühne etwas von der Liebe und Treue zurückgeben wollen, die wir schon seit Jahren von Ihnen bekommen. Und wenn wir irgendwann mal an den Punkt gelangen sollten, wo wir unsere Konzerte als Arbeit bezeichnen, dann sollten wir den Zustand unserer Band vielleicht noch einmal überdenken. Denn obwohl wir natürlich auch davon sprechen, dass wir jetzt mal an einem Album arbeiten oder Interviews geben müssen, so ist doch das Musik machen an sich keine richtige Arbeit für uns. Zwar gab es schon schwierige Situationen vor Konzerten, in denen einer von uns totale Kopfschmerzen hatte und gar nicht mehr auftreten wollte. Doch kaum war man dann auf der Bühne und hat die ersten ein, zwei Songs gespielt, sind die Kopfschmerzen – ungelogen – einfach weg und man spielt zwei Stunden lang ein Konzert als ob man nie Kopfschmerzen gehabt hätte. Das ist die ganze positive Energie, die wir von unseren Fans bei den Konzerten zurückbekommen und man denkt sich in so einem Augenblick: „Das ist doch total schön, was wir hier gerade machen!“ Und sollte dieses positive Gefühl, diese Leidenschaft für Musik irgendwann einmal nicht mehr da sein, dann ist es wohl an der Zeit für uns eine längere Pause einzulegen oder vielleicht sogar ganz aufzuhören.
Was würdet Ihr sagen, sind die größten Unterschiede zwischen Silbermond in den Anfangsjahren und Silbermond heute? Sowohl menschlich als auch musikalisch gesehen.
Stefanie Kloß: Alles verändert sich natürlich. Das kann man wohl am besten nachvollziehen, wenn man mal Fotos von heute mit 5 Jahre alten Fotos vergleicht. Wir haben sehr viele musikalische Erfahrungen gesammelt, haben unglaublich viele Konzerte gespielt und waren als Musiker sehr offen für andere Musiker, die wir kennen gelernt und mit denen wir teilweise Songs produziert haben. Das ist jetzt zwar erst seit eineinhalb Jahren so, aber für so etwas muss man eben auch reif sein. Dachten wir zumindest, weil wir uns davor nicht so richtig an diese Musiker herangetraut haben. Aber wenn Du die ersten beiden Alben mit unserem aktuellen Album vergleichst, wirst Du feststellen, dass wir musikalisch wesentlich vielseitiger geworden sind. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Album haben wir in erster Linie darauf gesetzt, dass die Musik live rüberkommt, weil wir zu diesem Zeitpunkt auf unglaublich vielen Konzerten unterwegs waren. Und beim jetzigen Album wollten wir unbedingt viele neue Dinge soundtechnisch ausprobieren und die gesamte Freiheit der Musik nutzen, die sie uns gegeben hat. Menschlich gesehen, haben wir ebenso viel erlebt, weil wir ja sehr früh mit dem Musik machen angefangen haben, dadurch früh Verantwortung übernehmen mussten und viele Erfahrungen sammeln konnten, die andere Leute in unserem Alter noch nicht gemacht haben. Gerade wenn Du viel unterwegs bist und in so vielen Städten Konzerte gibst, in die Du ansonsten nie gekommen wärst, dann prägt Dich das natürlich.
Ihr bezeichnet Euch ja einerseits als Rockband, wart aber andererseits in den letzten Jahren hauptsächlich mit Balladen in den Charts vertreten. Wie passt das zusammen und werdet Ihr in Zukunft vielleicht auch mal ein paar rockigere Songs veröffentlichen?
Andreas Nowak: Wir unterteilen unseren Musikstil jetzt nicht in Rock, Pop oder Ballade. Es sind halt unsere Songs und im Endeffekt entscheiden die Leute durch ihr Einkaufsverhalten, welche Songs wie oft im Radio gespielt werden und dadurch dann veröffentlicht werden oder nicht. Aber wir hatten mit „Zeit für Optimisten“ und „Meer sein“ auch zwei rockigere Songs in den Charts. Wenn die Leute unsere Balladen jedoch besser finden als unsere Rocksongs, dann werden eben mehr Balladen veröffentlicht.
Aber Ihr entscheidet doch schon darüber, welche Songs Ihr veröffentlichen wollt und welche nicht? Oder entscheidet der Käufer oder der Radiosender darüber?
Stefanie Kloß: Wir entscheiden schon darüber, was wir veröffentlichen wollen. Wenn die Radiosender aber der Meinung sind, dass sie „Meer sein“ nicht spielen wollen, weil Ihnen die Gitarren zu hart sind und sie denken „Das macht das Radio von den Leuten zu Hause kaputt!“, dann können wir nicht viel dagegen unternehmen. Im Prinzip koppeln wir einzelne Singles schon nach unserem Gefühl aus und haben auf unserem neuen Album neben klassischen Balladen und einigen Mittemponummern ebenfalls ein paar schnelle Songs wie „Nichts passiert“ oder „Tanz aus der Reihe“ aufgenommen. Aber Du kannst die Radiosender ja nicht dazu zwingen einen Song von uns zu spielen. Wenn zum Beispiel eine Ballade wie „Irgendwas bleibt“ auf Platz 1 der Charts geht und auf einmal auch von denjenigen Sendern gespielt wird, die den Song vorher nicht gespielt haben, kannst Du daran nicht viel ändern. Einige Sender brauchen vielleicht noch mehr Überzeugung bevor sie einen Song überhaupt spielen.
Thomas Stolle: Aber wir sehen uns nicht nur als Rockband. Wir sind einfach nur eine Band und machen Musik. Wir grenzen das Genre nicht ein und spielen fast alles. Und wenn man sich unsere Diskographie anguckt, dann sieht man, dass wir ebenso viele schnelle Songs veröffentlicht haben und es nicht so ist, dass wir uns ausschließlich auf Balladen fokussieren. Im Endeffekt ist es uns völlig egal, ob die Balladen nun in den Charts erfolgreicher sind als unsere schnellen Nummern. Letztendlich zählt für uns das Album und es ist dann eher so, dass sich einzelne Singles auf das Album niederschlagen. Außerdem wissen unsere Fans, wenn sie auf unsere Konzerte kommen, dass wir musikalisch sehr vielfältig sind und das wollen wir uns natürlich erhalten. Das war halt auch das Ziel unseres neuen Albums: Für sich frei zu schwimmen und zu zeigen, dass Musik keine Grenzen hat. Und wenn wir in 10 Jahren Bock auf einen Song mit Pauken, Trompeten und einer Tuba haben, dann werden wir das machen und den Song aufnehmen. Wenn es passt oder uns emotional berührt, dann ist es in der Musik auch erlaubt.
Stefanie Kloß: Aber es ist halt so, dass ja jeder von uns, egal ob er oder sie nun Rocker, Popper oder Klassik-Fan ist, bestimmte Emotionen in seinem Leben erlebt hat und diese mitteilen möchte. Emotionen verbinden eben! Und ich kenne genug Geschichten, in denen mir zum Beispiel die Frau erzählt hat: „Mein Mann ist eigentlich der knallharte Biker, aber als „Das Beste“ von Euch im Radio lief, da sind selbst ihm die Tränen gekommen.“ Und darauf kommt es doch an, oder?!
Letztes Jahr habt Ihr Euren Song „Symphonie“ mit kubanischen Rhythmen auf der „Rhythms del Mundo – Cubano Alemán“ noch einmal neu interpretiert und fast zeitgleich hat Sarah Brightman den Song auf Englisch gecovert. Was war das für eine Erfahrung für Euch?
Stefanie Kloß: Beide Veröffentlichungen waren eine besondere Erfahrung. Zum einen weil Sarah Brightman zunächst bei uns persönlich angerufen und gefragt hat, ob sie den Coversong machen darf. Und zum anderen war es ziemlich krass unseren eigenen Song zum ersten Mal auf Englisch zu hören und dann obendrein von Sarah Brightman! Da musste ich mich dann erst einmal reinhören, denn sie hat ja eine ganz andere Stimme als ich. Aber trotzdem finde ich ihre Version sehr schön. Außerdem war es eine tolle Erfahrung, weil wir plötzlich Fanpost von Leuten aus Brasilien, Russland und Australien bekamen, die recherchiert haben, dass „Symphonie“ im deutschen Original von uns komponiert worden ist. Und die Geschichte mit dem „Rhythms del Mundo“ Sampler war so, dass wir zusammen mit „Ich + Ich“ nach Kuba geflogen sind, weil die beiden zeitgleich dort auch einen Song für den Sampler aufgenommen haben. Das war total interessant, denn auf Kuba haben die Menschen einfach ein ganz anderes Lebensgefühl als hier. Zum Beispiel sind wir kurz nach unserer Ankunft mit Jetlag ins Studio gekommen, wo sich die kubanischen Musiker nach knapp eineinhalbstündiger Verspätung erst einmal einen Havanna Club auf Eis gegönnt haben, bevor sie überhaupt anfingen zu spielen. Außerdem war es spannend mit den Musikern zusammen zu arbeiten, denn die Kubaner vertreten die Philosophie, dass man traurig sein kann, ohne dabei zwangsläufig traurige Musik komponieren zu müssen. Die kubanische Musik-Philosophie lautet vereinfacht: Wir tanzen, wenn wir traurig sind.
Vielen Dank für das Interview.