Wenn die Bildung streikt
21. November 2009 | Kategorie: Hochschule Keine Kommentare »Bundesweite Protestwelle und besetzte Hörsäle
von Imke Schröder
Die Österreicher haben angefangen: Seit Mitte Oktober wird das Audimax der Uni Wien von protestierenden Studenten besetzt gehalten. Von Wien schwappt die Welle des Protestes über Süddeutschland bis zu uns in den kalten Norden über: München, Tübingen, Würzburg, Marburg, Berlin und jetzt auch Hamburg. In rund 20 Städten bundesweit besetzten einige hundert Studenten die Hörsäle. Es soll auf schlechte Studienbedingungen und den enormen Leistungsdruck aufmerksam gemacht werden. Zudem geht es um die gemeinsamen Feinde Studiengebühren und die derzeit zum Scheitern verurteilte „Bologna“ Reform. Die meisten Unis lassen ihre Protestler gewähren, nur wenige Hörsäle wurden polizeilich geräumt. Finanzielle Unterstützung erfahren die österreichischen Studenten mit einer staatlichen Finanzspritze in Höhe von 100.000 Euro. Doch die Proteste stoßen nicht überall auf Gegenliebe: Auf Facebook gibt es erste Gruppen, die sich gegen die finanzielle Unterstützung der Protestierenden richten und in Würzburg erzwangen Erstsemester ein Pausieren der Besetzung um ihre Hörsäle regulär nutzen zu können. Doch die Bundesbildungsministerin Annete Schavan (CDU) drängt ihre Länderkollegen zu einer schnellstmöglichen Umsetzung der geplanten Hochschulreformen. Denn seit im vergangenen Jahr auf dem Bildungsgipfel große Neuerungen für die Hochschulen versprochen wurden, mangelt es an der Umsetzung. Studierende bräuchten klare Signale, dass es vorangeht. Denn genau den Mangel an Initiative seitens der Bildungsministerien werden kritisiert. Durch Studiengebühren wird ein zwei Klassen System geschaffen. Zudem ist es schier unmöglich sich bei einer 40 Stunden Woche noch nebenbei etwas für den Lebensunterhalt zu verdienen. Auch sind die Wahlkombinationen im neuen Bachelor/Mastersystem beschränkt und es werden lediglich auf die Wirtschaft zugeschnittene Absolventen produziert. Deswegen waren am 17. und 18. November bundesweite Proteste geplant, und vom 30. November bis zum 6. Dezember findet eine Aktionswoche unter dem Motto „Education is not for Sale“ statt. Studenten aller Länder vereinigt euch. An dem Bildungsprotest in Kiel nahmen 3500 Demonstranten teil. Seit dem 18. abends wird die alte Mensa besetzt.