Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Azubi-Bachelor

Qualifikationsrahmen – Der Bürokratiebäcker

von Mira Wrede

„Ding, ding, ding, ding.“ Die Bildungspolitik geht in die zweite Runde. Nach BA und MA kommen nun EQR und DQR. Das sind die Abkürzungen der neuesten Bildungsreformen in Europa und in Deutschland. Das Bachelor/Master System sollte jedem bekannt sein. Doch der Europäische (EQR) und der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) sind neue Wortschöpfungen, die den wenigsten geläufig sein dürften. Dahinter verbirgt sich eine neue Bildungsreform, deren Entstehungsgeschichte bereits 2004 ihren Anfang nahm. Die Idee: einen gesamteuropäischen Bildungsraum zu schaffen, der Transparenz und Mobilität des Berufslebens fördert. Das heißt, dass jeder EU-Mitgliedsstaat einen Qualifikationsrahmen anhand verschiedener Niveaustufen entwickelt, in welchen dann das gesamte Bildungs- und Berufssystem integriert wird. Der DQR sieht acht Niveaustufen vor, die jeweils unterschiedliche Qualifikationen und Lernziele beinhalten. Dies sind vor allem in Deutschland anerkannte Abschlüsse. Dazu zählen nicht nur Schul- und Berufsabschlüsse, sondern auch anerkannte Sprachkompetenzen.

Während ein Professor an der Universität beispielsweise in die achte Stufe fallen würde, würde ein Meister eines handwerklichen Berufes der sechsten Stufe zugeordnet werden. Wenn also jedes Land einen eigenen Rahmen geschaffen hätte, würde der EQR als Übersetzungsinstrument dienen, um eine länderübergreifende Vergleichsmöglichkeit der unterschiedlichen Qualitätsstandards herzustellen. Klingt alles sehr theoretisch – ist es auch.

Prof. Volker Gehmlich (FH Osnabrück), Experte im Arbeitskreis für den DQR, eröffnet, dass die Umsetzbarkeit zur Zeit in verschiedenen Bereichen, wie Metall, Gesundheit und Handel geprüft wird. Im Dezember wird diese Phase abgeschlossen sein und bestehende Fehler des Systems sollen überarbeitet werden. 2012 soll der Europäische Qualifikationsrahmen gänzlich in Kraft treten. Nun stellt sich die Frage, was das für Auswirkungen auf die Studenten hat und vor allem, warum mal wieder alles hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Gehmlich erklärt, dass es für die Studenten vorerst keine Veränderungen geben wird. Die Niveaustufen würden in Deutschland anerkannte Abschlüsse beinhalten und dies gilt auch für den Bachelor und den Master. Außerdem „würde nichts hinter verschlossenen Türen passieren“ . Der DQR sei schon lange im Internet zugänglich und die Öffentlichkeit sei aufgefordert worden Stellung zu dem Thema zu nehmen. „Die Studenten müssen Interesse zeigen und sich dem Thema annähern“, bekundet Gehmlich weiterhin. Doch viele Studenten und Arbeitnehmer könnten sich durch die neuen Entwicklungen verunsichert fühlen und es ist Aufgabe der Bildungspolitik über solche Reformen aufzuklären und zu informieren.

Vieles erinnert an Bologna. Die Zielsetzungen sind ähnlich, doch z.B. für die Mobilität waren der Bachelor und der Master eher hinderlich als förderlich. Das Prinzip und die Ziele des DQR scheinen klar und durchdacht, doch insgesamt befindet er sich noch in der Entstehungsphase. Erst die Praxis wird zeigen, ob sich dieses System durchsetzt und ob es wirklich die Vorteile bringt, die es verspricht. Es bleibt nur zu wünschen, dass Europa sich damit nicht selbst K.O. schlägt.

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