B.blogt
14. Dezember 2009 | Kategorie: B. blogt Keine Kommentare »von Bastian Kruse
Eigenartigerweise ist die Weihnachtszeit meistens die stressigste Zeit des Jahres. Ist es nicht so? Da wird es kurz nach dem Aufstehen schon wieder dunkel. Da ärgert man sich stundenlang darüber, dass man kein Weihnachtsgeld bekommt. Und dass der Nikolaus wieder nur die Rute gebracht hat. Und dass sich dann der Notarzt geweigert hat, zu kommen: „Was?? Sie sind vom Nikolaus mit der Rute verprügelt worden?? Sie sollten lieber die Seelsorge anrufen, ich gebe Ihnen die Durchwahl …“
Da muss man sich Gedanken machen, was man seinen Lieben unter den Tannenbaum legen will (außer den alten Flickenteppich, der den Fußboden schützen soll). Ach – den Tannenbaum, den muss man auch noch holen. Kaufen kann man den ja gar nicht mehr, schließlich verlangen die heutzutage schon 25 Euro für einen popeligen Möchtegern-Weihnachtsbaum. Nein, der wahre Mann geht seinem vorweihnachtlichen Jagdtrieb nach und schlägt mit der Axt im Wald um sich (wenn dabei was schief geht, kommt sogar der Notarzt).
Ich finde es immer besonders schlimm, wenn der vorweihnachtliche Stress auch noch durch das typisch festliche Gedudel konterkariert wird – man verzeihe mir dieses grässliche Wort.
Ich wandere hektisch durch die Straßen auf der Suche nach dem Richtigen. Dem richtigen Weihnachtsgeschenk, natürlich. Und ständig halten mich rumänische Einwanderer auf, reiben mir eine Altblechdose unter die Nase und krächzen: „Gutten Tak! Frrrohs Fest!“
Im Fernsehen nähert sich die Kerner-Jauch-Gottschalk-Front. Erstere wollen mir erzählen, was in diesem Jahr Tolles passiert ist, während letzterer mein Geld will. Für seine Kinder, sagt er. Naja, und alle anderen Kinder, natürlich.
Außerdem sollen wir ja auch noch spenden, für Herrn Carreras’ Leukämie-Stiftung und UNICEF und das Rote Kreuz und die Linke Fraktion und wer weiß sonst noch alles. Gerne, wenn ich Geld hätte. Aber das Geld ist im Haushaltsplan schon für die Weihnachtsgeschenke vorgesehen – die Vorsehung hat wieder zugeschlagen. Das passiert in Deutschland öfters, und meistens endet es nicht gut …
Plätzchen backen muss man dann auch noch, schließlich ist Advent. Und erst wenn das letzte unförmige schwarze Häufchen einstiger Teigmasse dem stinkenden Ofen entrissen worden sein wird, erst wenn die letzte Sahne zu Butter geschlagen worden sein wird, erst wenn der letzte Eischnee nicht steif werden wollen wird, erst wenn die letzte Durchfallerkrankung besiegt worden sein wird, erst dann werdet ihr wissen, dass ich nicht backen kann.
Und nachdem ihr obigen Satz noch einmal gelesen haben werdet, werdet ihr wissen, dass ihr vom Futur II im Deutschen in Zukunft lieber die Finger lassen werdet, damit kann man nämlich ganz schön auf die Fresse fallen.
Ich resümiere: Die Weihnachtszeit mag zwar besinnlich sein und schön, und es mögen überall Englein fliegen und Glöckchen bimmeln und andersherum, es mögen Kinder voller Vorfreude umherspringen und sich vor Glück kaum halten können – das mag ja alles sein, nur nicht hier. Vielleicht in Finnland?