Forderungen der Besetzer/Innen
14. Dezember 2009 | Kategorie: Extrablatt Keine Kommentare »
Der Blick nach aussen. Foto jb
Eine ausführlichere Fassung folgender Forderungen wurden am 30.11. um kurz nach zwölf vor der Mensa öffentlich verlesen. Viele Studierende hatten sich vor der Alten Mensa eingefunden, um ihre Solidarität mit den Besetzern zu demonstrieren. Am 27.11. hatte das Präsidium der CAU eine Allgemeinverfügung erlassen, in der den Studenten, die sich im Gebäudekomplex der Alten Mensa aufhalten, unter anderem mit Exmatrikulation (einer Sanktion, die noch keine Universität bis dahin ausgesprochen hatte), Räumung des Gebäudes und rechtlichen Konsequenzen gedroht wurde. Eine Räumung des Gebäudes, mit der bis zu diesem Punkt viele gerechnet hatten, fand dann aber nicht statt, da vor der Verlesung der Forderungen ein Kompromiss verkündet worden war. Das Präsidium der CAU machte um kurz vor zwölf (und das nicht nur im übertragenen Sinne) den Vorschlag eine Duldung ohne zeitliche Begrenzung auszusprechen, wenn die Besetzer den Ablauf der in der Alten Mensa stattfindenden Veranstaltungen nicht behindern. Nachdem die Besetzer sich dazu bereit erklärt und diesen Beschluss der wartenden Menge verkündet hatten, wurde ein Plenum abgehalten, um das weitere Vorgehen zu diskutieren und sich intern neu zu sortieren. Des Weiteren wurde noch auf die am 3.12 stattfindende öffentliche Sitzung des Bildungsausschusses im Kieler Landtag hingewiesen, zu der (soweit der Plan bis Redaktionsschluss) eine Demonstration organisiert werden sollte. Wichtigster Punkt hierbei ist die Weigerung des Ministers für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr Jost de Jager vor der am 10.12. stattfindenden Kultusministerkonferenz mit dem Plenum der Studenten über die derzeitige Bildungssituation zu diskutieren.
Forderungen der Besetzer/Innen der Alten Mensa
Wir, die Besetzer/Innen der Alten Mensa haben auf der Basis unserer im Zeitraum vom 18.11.2009 bis zum 27.11.2009 tagenden inhaltlichen Vollversammlungen folgenden Forderungskatalog erstellt. Auf diese Weise wollen wir auf elementare Missstände im universitären Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland im Allgemeinen und an der Christian-Albrechts-Universität im Besonderen hinweisen. Zudem wollen wir hiermit auch Lösungsansätze formulieren. Unsere Forderungen richten sich daher gleichermaßen an das Präsidium der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie an die zuständigen Behörden und Politiker auf Bundes- und Landesebene. Wir erwarten, dass diese oben genannten Personen und Stellen sich mit unseren Forderungen befassen, mit dem Ziel, die zahlreichen Missstände, welche die Bologna-Reform nach sich gezogen hat, auszuräumen!
Unsere bereits beschlossenen Forderungen lauten wie folgt:
1. Zugang zum Master
Jede Universität soll ihren BA-Studierenden gleich bei deren Studienbeginn einen Masterstudienplatz garantieren.
2. Studentische Mobilität
Wir fordern die Universitäten der Bundesrepublik Deutschland dazu auf, die Zugangsmöglichkeiten zu den von ihnen angebotenen Masterstudiengängen so zu gestalten, dass jeder Studierende frei darüber entscheiden kann, an welcher Universität er oder sie sein Masterstudium absolvieren möchte.
3. Liberalisierung der Prüfungsordnung
Wir fordern von den Instituten der Christian-Albrechts-Universität, hinsichtlich von Studienplänen, Studienorganisation und Prüfungsordnung mehr studentische Mitsprache zuzulassen. Zudem fordern wir eine Liberalisierung der Prüfungsmodule und zwar in dem Maße, dass innerhalb der Prüfungsmodule mehr individuelle Wahlmöglichkeiten bestehen. Ein Prüfungsmodul soll also genügend individuelle Wahlmöglichkeiten enthalten. Dies impliziert, dass ein Prüfungsmodul weniger Pflicht- und mehr Wahlpflichtkurse beinhaltet. Somit können individuelle Interessen und Neigungen besser berücksichtigt werden. Es versteht sich von selbst, dass mit einem Mehr an Wahlpflichtkursen auch ein Mehr an Lehrpersonal zur Verfügung stehen muss!
4. Verbesserungsvorschläge zum Thema Prüfungsdruck
Wir fordern, dass Anwesenheitslisten nicht weiter von Relevanz für Prüfungszulassungen sein sollen. Dies impliziert eine Ausweitung des aktuellen Senatsbeschlusses an der Christian-Albrechts-Universität, der dies bislang lediglich für Vorlesungen vorsieht. Ferner soll das „Rausprüfen“ durch Fehlversuche (bei Klausuren) abgeschafft werden. Anstelle dessen soll jedem Studierenden das Recht zustehen, nach eigenem Ermessen Prüfungen/Klausuren zu wiederholen. Wir fordern die Abschaffung des derzeitigen Klausuranmeldeverfahrens. Anstelle dessen sollen die Studierenden einfach zu Klausuren gehen können, ohne sich dafür vorher anzumelden. Das Nichterscheinen zu Klausuren soll hierbei folgenlos bleiben, unabhängig davon, den wievielten Versuch es betrifft.
5. Studentische Freiräume
Wir fordern vom Präsidium der Christian-Albrechts-Universität, der Studierendenschaft einen ausreichend großen Raum auf dem Universitätsgelände zur Verfügung zu stellen. Dieser sollte der gesamten Studierendenschaft zur Verfügung stehen und unter basisdemokratische studentische Selbstverwaltung gestellt werden. Der Raum soll frei von kommerziellen Interessen bestehen und der Studierendenschaft immer zugänglich sein.