Rummel, rummel, ruttje
14. Dezember 2009 | Kategorie: Weihnachten Keine Kommentare »In Schleswig-Holstein ist Rummelpott-Laufen am Silvester-Abend eine Pflicht
von Annemarie Schönherr

Das Kostüm sitzt - die Jagd beginnt. Foto as
Sich in Nordfriesland und anderen ländlich geprägten Kreisen Schleswig-Holsteins zu integrieren ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag: Richtig aufgenommen in die Dorfgemeinschaft ist erst, wer sich beim plattdeutschen Rummelpott-Singen nicht mehr anhören muss: „Du singst das falsch“ wobei „de Osche“ böse mit einem Futtje nach einem zeigt.
Es könnte der Eindruck entstehen, die norddeutsche Tradition des Rummelpott-Laufens sei von den Amerikanern kopiert, vorverlegt und in Halloween umbenannt worden: Am Abend des 31. Dezembers verkleiden sich Kinder und Jugendliche und gehen auf die Jagd nach Süßigkeiten. Sie laufen von Haus zu Haus, klingeln lange und intensiv und beginnen, schon bevor die Tür geöffnet wird, zu singen – natürlich op Platt. Die Besungenen öffnen die Tür, hören kritisch zu, ob sich auch kein hochdeutscher Laut eingeschlichen hat und rücken anschließend die geforderten Süßigkeiten heraus. Es handelt sich hierbei um eine gute Möglichkeit, abgelaufene Schokolade endlich loszuwerden ohne sie wegzuschmeißen. Dasselbe gilt für den Schnaps, der schon jahrelang im Schrank versauert und nun endlich willige Abnehmer in Elternform findet. Wer sich allzu sehr vor der ausgehungerten Schar fürchtet, zieht es vor, zwischen 17 und 21 Uhr die Lichter zu löschen und abzuwarten, dass der Spuk vorbei zieht. Nach erfolgreicher Jagd schleppen sich die Teufel, Monster, Hexen und Blutsauger zurück in ihre Höhle, wobei mindestens zwei prall gefüllte Leinenbeutel an ihren Ärmchen baumeln.
Seinem Namen hat dieser Brauch von einer Blechbüchse – dem Rummelpott. Die Büchse wurde mit einer Schweinsblase überzogen und in den Überzug ein Loch geschnitten. Wird nun ein Stab in das Loch gesteckt und kräftig bewegt, entsteht Lärm. Dieses „Instrument“ wurde früher benutzt, um mit viel Krach, den Druck auf die Süßigkeiten-Spender zu erhöhen.
Es ist nicht genau geklärt, woher diese Tradition stammt. Möglich wäre, dass Erntehelfer, die früher während der Sommermonate auf den Feldern geholfen haben und über den Winter keine Arbeit hatten, am Sylvesterabend zu den Bauern gegangen sind und gesungen haben, um etwas zu Essen zu bekommen. Dabei haben sie sich verkleidet, um unerkannt zu bleiben.
Es gibt viele Lieder, die zu dieser Gelegenheit gesungen werden und sie sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Damit die Integration gelingt, hier eins zum Üben von der Westküste: Rummel, rummel, ruttje / Giff mi noch een Futtje? / Giff mi een, bliev ik stahn, / Giff mi twee, will ik gahn. / Giffs mi dree, wünsch ik Glück, / dat de Osche mit de Posche / dörch de Schornsteen flüch.