Schöne Bescherung
14. Dezember 2009 | Kategorie: Weihnachten 1 Kommentar »Vom Umtausch ausgeschlossen
von Boris Rozanski
Ich habe etwas geschenkt bekommen. Zwar war es noch ein bisschen früh für Weihnachten oder Nikolaus, eine Bescherung gab es trotzdem: Lieblingskieler lagen in buntem Geschenkpapier auf meiner Türschwelle. Wie bei jedem Geschenk habe ich mich selbstverständlich unheimlich über die nette Geste gefreut, war dann aber leider nach dem Auspacken enttäuscht. Der Inhalt gefällt mir nicht und je länger das geöffnete Paket nun auf meinem Küchentisch liegt, wundere ich mich immer mehr über den Zweck des Ganzen. Es ist, als wäre mir ein teures Deo geschenkt worden: „Danke, das ist aber lieb von dir, und wie das duftet! Aber sag mal, brauche ich das wirklich? Findest du das ich stinke?“
Was fange ich denn jetzt an mit dieser kieler Crème de la Crème? Wer hat dieses Geschenk überhaupt ausgesucht? Mir scheint das alles bei genauerem Blick doch recht unpersönlich, wie ein Gutschein über einen Geldbetrag, der zu gering ist, um sich etwas von Wert zu leisten, das man sich tatsächlich wünscht. Absender: Kiel-Marketing. – Haben die mir nicht schon mal was zukommen lassen? Hätte ich mich netter bedanken, oder am besten gleich Nein-danke sagen sollen? Mir ging es doch ohne Lieblingskieler eigentlich ganz gut. Nun muss ich einen Platz in meinem Regal frei räumen, an dem ich die Herrschaften abstellen kann.
„Kieler, Gäste und Fans der Landeshauptstadt aus aller Welt“ sind über zwei Wochen zur Wahl geschritten. Auf meiner Wunschliste stand – so weit ich mich erinnere – keiner dieser „Kieler“. Nicht, das ich gegen einzelne von ihnen etwas hätte. Ganz im Gegenteil: Socken mag ich schließlich auch. Allerdings suche ich sie mir gerne selber aus und fühle mich missverstanden, wenn ich sie statt eines persönlichen Geschenks unter meinem Tannenbaum liegen sehe.
Nun denn, ich werde es wohl mit den Damen und Herren so halten, wie mit allen Dingen, die ich nicht will, mir aber aufgezwungen werden: Ich tausche sie um. In Hamburg – so habe ich gehört – gibt es im Moment ein interessantes Sonderangebot. Es handelt sich zwar nicht um Lieblingsmenschen, dafür aber um Standortverweigerer, für die es in der Hansestadt keinen Platz mehr gibt. Typisch Ladenhüter: alles muss raus! In dem Paket enthalten sind sowohl Maler, Musiker, Filmemacher und so weiter und so weiter. Der Haken an der Angelegenheit: Allesamt wollen keine Werbefiguren mehr sein oder, zu dem Zweck einen Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen, missbraucht werden. Sie sagen: „Keine Marke Hamburg mit unseren Namen!“
Passt doch prima. Wir tauschen einfach unsere Lieblingskieler – unsere Standortfaktoren – gegen die Hamburger Künstler um. Die nörgeln zwar dauernd, aber dafür nehmen sie keinen Platz in meinem Regal weg, sondern verwalten sich autonom selbst. Gleich morgen werde ich reklamieren! – Wenn ich doch nur die Quittung hätte.
http:// www.wir-kieler.de
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