Weihnachten im Auto
14. Dezember 2009 | Kategorie: Weihnachten Keine Kommentare »Männer lassen sich nicht kaufen, aber mieten
von Andrea Weinke
“Früher war mehr Lametta” … Doch das ist nicht das Einzige, was sich über die Jahre verändert hat. Früher wurde Weihnachten vorbereitet wie ein Event. Anfang Dezember wurden mit kritischem Auge Gans, Baum und Geschenke ausgewählt, am 24. kam die Familie in besinnlicher Runde zusammen und zur Bescherung klingelte Opa mit Jutesack vor der Tür oder kam Papa durch den Kamin gerumpelt. Und heute? Der Baum wurde am Vortag als Schnäppchen erstanden, der Stollen ist kalorienreduziert und die Gans eine mittlere Katastrophe. Schnell werden vor dem Eintreffen der Großeltern Nussknacker, Räuchermännchen und Co. in der Wohnung verteilt. Das Bad wird geputzt, die Stube aufgeräumt, jeder hängt im Vorbeigehen hier und da eine Kugel an den Baum oder stolpert über den Staubsauger und die letzten Geschenke wandern gerade erst über den Ladentisch …
Besinnlichkeit im Weihnachtsgewand. Nachdem sich Opa einen Bandscheibenvorfall zugezogen hat, der Schornstein jedes Jahr etwas enger wird und Papa letztes Jahr in selbigem stecken blieb, muss ein anderer diesen Job übernehmen. Also kommt der Weihnachtsmann dieses Jahr nicht von draus vom Walde, und auch nicht aus Himmelpfort, sondern aus dem Internet oder von der Bundesagentur für Arbeit. Nur ein paar Mausklicke sind nötig um den netten älteren Herren in rot zu gewünschter Zeit vor der eigenen Haustür begrüßen zu können. Wer keinen Weihnachtsmann braucht, sondern einer werden will, geht den gleichen Weg, denn wer vermittelt, braucht schließlich auch Personal. Jede Agentur hat ein eigenes Auswahlverfahren, von Onlineprüfungen bis Vorstellungsgesprächen ist alles dabei. Besonderer Wert wird auf das äußere Erscheinungsbild, Stimme und Ausstrahlung gelegt. “Er muss gut mit Kindern umgehen können.” betont Frau Halbeck von der Bundesagentur für Arbeit.
Ebenfalls sollte der Bewerber die gängigen Gedichte und Lieder textsicher beherrschen, damit der Weihnachtsmann einhelfen kann wenn ein Kind mal nicht mehr weiter weiß. Bei Statur und Stimme darf getrickst werden. Ein Kissen unter dem Kostüm und zwei, drei Hosen sind durchaus legitim. Schließlich soll der Weihnachtsmann und nicht das Skelett aus den Biostunden die Geschenke bringen. Egal welche Agentur, ein schönes Kostüm ist Pflicht. Je näher es dem Original kommt, desto besser. Wer Anregungen für Kostüm oder Auftritt braucht, wird im Internet fündig. “In gar keinem Fall werden Kinder in den Sack gesteckt oder anderweitig bedroht! Unabhängig davon, ob es die Eltern wünschen.“ heißt es auf der Seite des Weihnachtsmannbüros (ob das auch bei Betriebsfeiern zutrifft, wird nicht verraten). Generell gilt: Es ist nicht wichtig, dass der Weihnachtsmann singen kann. Hauptsache er tut es mit Hingabe, denn „Gesänge, selbst wenn nur bemüht und nicht sonderlich schön, wecken schnell Vertrauen“, heißt es auf der Seite weiter. Damit es nicht so aussieht, als ob der Weihnachtsmann gerade aus seinem warmen Auto gestiegen, sondern einen weiten Weg durch die Kälte gestiefelt ist, kann mit roter Schminke nachgeholfen werden.
Neben dem Blick fürs Detail ist Hingabe wichtig. “Niemand sollte die Sache nur des Geldes wegen machen.” erzählt mir Frau Halbeck. Es werden zwar im Schnitt 35 Euro pro Familie gezahlt, doch gehört zu dem Job wesentlich mehr als mal eben einen Klingelknopf zu drücken und Geschenke zu verteilen. Die Tour im Hellen einmal abzufahren gehört genauso zu den Vorbereitungen wie ein Telefonat mit den Eltern der zu beschenkenden Kinder. Hier werden Einzelheiten wie Name des Kindes, seine Hobbys und Erfolge des vergangenen Jahres besprochen und auch ob Erwachsene mit beschenkt werden sollen. Sollte das Kind ans Telefon gehen auf gar keinen Fall mit: „Hier ist der Weihnachtsmann, ich möchte deine Eltern sprechen.“ melden. Wer sich gut vorbereitet hat, drückt am 24. nur noch auf den Klingelknopf und verteilt die Geschenke.