Das Fiepquiekpiepen
23. Januar 2010 | Kategorie: B. blogt Keine Kommentare »von Bastian Kruse
Ich erinnere mich noch genau an einen denkwürdigen Tag während der letzten Prüfungszeit: Ich sollte eine Klausur schreiben.
Den entscheidenden Tag plante ich so, dass mir nach dem obligatorischen ausgiebigen Ausschlafen noch Zeit zum, ähem, Wiederholen des wichtigsten Stoffes bleiben würde. Dann würde ich mich gemütlich auf mein Fahrrad schwingen und zur Universität radeln, die Lösungen für die Klausur aus dem Handgelenk direkt in das Hirn des Dozenten schütteln, wieder nach Hause fahren und zehn Tage durchschlafen. Soweit der Plan.
Der Plan wurde durchkreuzt. Auf kreative Art.
Und zwar von meiner Heizung.
Ich wandelte gerade in finsteren Traumtälern und fürchtete dennoch kein Unglück, da fing es auf einmal an zu quieken. Ein monotones, sehr hohes Quieken. Mehr ein Piepen denn ein Quieken. Penetrant auf nahezu nur einem einzigen Ton.
Da war ich wach. Es war 5:02 Uhr.
Leicht entnervt entstieg ich der wohligen Wonne des Bettes. Das Fiepquiekpiepen kam, o Wunder, aus dem Badezimmer. Es entsprang der Decke über der Heizung, so dachte ich.
Heizungsfachmann, der ich bin, wusste ich natürlich trotz zugenebelten Hirns, aufsteigender Wut, kompletter Übermüdung und grässlichen Mundgeruchs: Es gab einen Überdruck in der Leitung. Geistesgegenwärtig öffnete ich sofort alle Wasserhähne, betätigte drei Mal die Klospülung und klopfte aggressiv gegen die Heizungsrohre.
Nichts geschah, außer dass mein Wasserverbrauch sprunghaft anstieg. Das Fiepquieken war immer noch da.
Ich gestand meine Unfähigkeit ein, dieses Problems Herr zu werden. Das war meine letzte bewusste Entscheidung. Die nächsten Minuten brachte ich nämlich damit zu, wutentbrannt kreuz und quer durch meine Wohnung zu laufen.
Das muss wirklich ein erstaunliches Bild gewesen sein: ein zerzaustes Wesen in Puschen und einem zu weiten rot-weiß-quergestreiften, mit Wasser bespritzten Nachthemd, das laut schreiend und die Fäuste ballend durch eine nur rudimentär erhellte Wohnung rennt, die von einem geheimnisvollen Piepton beschallt wird. Das ist der Stoff, aus dem Alpträume sind.
Ich erkannte, dass ich wegen des Fiepens nicht mehr würde schlafen können, schrie unschöne Dinge durch die Wohnung und riss die Gardinen auf. Tristes graues Wetter grinste mir hämisch entgegen. 5:22 Uhr.
Ich rastete noch ein wenig aus. Danach drehte ich die Wasserhähne wieder zu.
Die Heizung piepte noch eine Stunde lang Uhr weiter. Dann hörte sie auf. Mission erfüllt.
Die Klausur habe ich zwar bestanden – trotzdem möchte ich die Heizungsgötter dieser Welt bitten, mir so eine Aktion dieses Mal zu ersparen. Sonst ziehe ich demnächst in eine Laubhütte im Schrevenpark.