Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Das Studio ist tot, es lebe das Studio!

von Boris Rozanski

„I went to a doctor. He made an HIV test. It was postive… See you in another life.“ Mit einem Paukenschlag beginnt Detlev Bucks neuer Film „Same same but different“. So hatte sich Benjamin (David Kross) seine Fernbeziehung mit Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) nicht vorgestellt. In Kambodscha hatten sie sich kennengelernt. Für die erste Nacht hat Benjamin, der mit seinen Freunden in Asien richtig „smashed“ werden wollte, noch bezahlt. Wenig später zieht er bei Sreykeos Familie ein. Zurück in Deutschland schickt er jeden Monat Geld nach Kambodscha, damit Sreykeo nicht mehr anschaffen gehen muss. Was soll jetzt werden? Sreykeos Diagnose ist ein Schock – Benjamin könnte sich angesteckt haben.

Bucks auf einer wahren Begebenheit basierender Film fesselt durch seine Ehrlichkeit und verschont weder seine Protagonisten noch die Zuschauer vor schwierigen Entscheidungen. Es geht um Armut, Prostitution und HIV, aber auch um Freundschaft, Familie und Liebe. Dass der Film bei dieser Fülle an Themen nie den Faden verliert, verdankt er David Kross, dessen Benjamin man für seine Naivität ohrfeigen will und zugleich für seine Aufrichtigkeit bewundert. Mit Respekt nähert sich Buck einer fremden Kultur, die durch das Spiel von Apinya Sakuljaroensuk ein kindliches und zugleich gefährliches Gesicht erhält. Bis zuletzt bleibt die Angst um beide Protagonisten.

Eine Tour de Force für alle, die sich zur Sneak im Kino Eins des „Studio Filmtheater am Dreiecksplatz“ eingefunden haben. Genauso wünschen es sich Dennis Jahnke und Matthias Ehr, die neuen Betreiber des Traditionskinos. Sie haben einen Neustart gewagt, bei dem sie Freunde, Familie und ehemalige Arbeitskollegen nach Leibeskräften unterstützten. In nur drei Monaten wurde insbesondere das Foyer des Kinos grundsaniert: neuer Fußboden, Wände, Licht – das Studio erstrahlt in neuem Glanz. Vieles bleibt aber noch zu tun: Aus den technischen Gegebenheiten haben die beiden nach eigenen Angaben bereits das Beste herausgeholt, aber das reicht ihnen nicht. Modernisierungen im Bereich Ton und Bild stehen in diesem Jahr noch in einzelnen Kinosälen an. Angefangen hatten Jahnke und Ehr bereits im „alten“ Studio als Popcornverkäufer und brachten es schließlich bis zur Theaterleitung. Nun haben sie das Kino nach der Insolvenz übernommen und damit auch eine Vielzahl von Altlasten aus der Misswirtschaft des Vorbesitzers. „Vielen Leuten müssen wir erst erklären, dass wir eigentlich ein neues Kino betreiben,“ so Matthias Ehr, der dazu bereit ist, für sein Filmtheater zu kämpfen: „Am Anfang waren wir noch zu acht, jetzt sind nur noch Dennis und ich übrig. Wir sind mit Herzblut dabei, anders wäre die Arbeit im Moment gar nicht zu bewältigen.“

Die Rollen laufen wieder Foto: sn

Die Rollen laufen wieder Foto: br

Das Studio ist nicht einfach ein weiteres Mal neueröffnet worden, es handelt sich um einen völlig neuen Betrieb unter neuer Leitung. Kiel ist 95 Jahre nach seiner ersten Inbetriebnahme sein ältestes Kino zurückgegeben worden. Der Muff ist raus und das Publikum strömt seit dem 23. Dezember wieder in das Lichtspielhaus am Dreiecksplatz. Ehr und sein Partner wollen mit einer Mischung aus Arthouse und Mainstream ein möglichst breites Publikum ansprechen und hoffen, dass nicht nur das Filmangebot angenommen wird: „Unser Café ist ab Drei Uhr geöffnet, nicht nur für Kinogänger, sondern für alle, die die Holtenauer runterschlendern.“ Fair gehandelte Kaffeeprodukte gehören genauso zum Konzept wie neue Dekoration und Möbel, selbst wenn die Besucher auf Letztere noch etwas warten müssen.

Auch das Programm ist noch aus der Not geboren. Die neuen Betreiber müssen sich ihre Position auf dem Kinomarkt erst erarbeiten, setzen aber auf ihre Kreativität: „Wir spielen ein bisschen und gucken, was funktioniert.“ Wichtiger Bestandteil ihres Konzepts ist dabei auch die Sneak Preview, die jeden Mittwoch um 22.15 stattfindet. Bleibt die Hoffnung auf weitere große Kinoabende am Dreiecksplatz. Detlev Bucks „Same same but different“ ist hierauf ein ernstzunehmendes Versprechen.

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