Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Gelehrte Abendunterhaltung

von Mirjam Rüscher-Reher und Imke Schröder

Podiumsdiskussion Foto: asw

Ein Vorlesungsmarathon der besonderen Art vereint ein durchmischtes Publikum in allen acht Hörsälen und dem Senatssaal des Audimax. Leider nicht durchmischt genug: Gerade die Zahl der Studenten war erstaunlich gering. Vielleicht war das studentische Interesse einfach nicht vorhanden, vielleicht auch das alternative Abendprogramm in Kiel ausnahmsweise gut. Aber wären viele Studenten gekommen, hätten sie vor lauter „Seniorenstudenten“ wahrscheinlich eh keinen Platz mehr gefunden. Zudem fanden die beliebteren Vorstellungen leider häufi g in unverhältnismäßig kleinen Hörsälen statt, wie der um 19h angesetzte Vortrag „Wie viel Energie braucht der Mensch“ von Professor Manfred Müller im kleinen Hörsaal F. Dagegen wurde für „CO2 Speicherungen in salinaren Formationen“ von Professor Bauer der große Hörsaal gebucht, in dem, sagen wir so, noch ausreichend Platz vorhanden war. Ob es an der Themenwahl eines aus dem Leben gegriffenen und für die breite Masse interessanten Themas der körpereigenen Energieversorgung lag, oder aber daran, dass aus rein subjektiver Sicht über die wissenschaftliche Relevanz eines Themas entschieden und Hörsäle zugeteilt wurden, ist unbekannt.

Neben dem Vorlesungsangebot informierten die Fachschaften über verschiedene Themen wie ehrenamtliche Mitarbeit und boten einen Debattierclub an. Weit abgeschieden im Untergeschoss, vielmehr im Keller, fand eine Messe zum Thema „Energie durch Weiterbildung“ statt. Ganze vier Stände informierten über verschiedene Weiterbildungsprogramme, die mit dem Thema der Vorlesungsnacht nicht im Geringsten etwas zu tun hatten. Auch verirrte sich kaum ein Besucher in den Keller, was auch auf den Mangel von Hinweisschildern und Ankündigungen zurückzuführen sein könnte. Pünktlich um viertel vor, nach jedem Ende der Vorlesungen, wurde der Hauptraum des Audimax‘ geradezu überschwemmt von Zuschauern. Jetzt noch ein Getränk oder eine Brezel zu ergattern, war ein Ding der Unmöglichkeit. Da verlässt man lieber die nächste Vorlesung einige Minuten früher, um am Nahrungsmittelverkaufsstand an einem der begehrten Plätze in der ersten Reihe zu stehen. Oder man bedient sich beim Stand des Deutschlandradios an den herumstehenden Salzstangen. Nur um dann kurz nach dem Genuss von vier Salzstangen freundlich, aber sehr bestimmt, einen Verweis erteilt zu bekommen, dass diese Salzstangen nur für die besonderen Gäste bestimmt seien. Wir gehören anscheinend nicht dazu.

Besonders beliebt war die Podiumsdiskussion des Deutschlandradios „Wissen fürs Volk – Wie berichten Medien über Wissenschaft?“. Für diese ganz besondere Veranstaltung musste man sich ab 18 Uhr Karten am Informationsstand abholen, die um 19 Uhr leider alle schon vergeben oder für befreundete Unimitarbeiter zurückgelegt waren. Wer keine Karten mehr bekam, hatte die Möglichkeit in Hörsaal K die Live-Übertragung zu verfolgen. Teilnehmer waren der Chefredakteur der Kieler Nachrichten Jürgen Heinemann als Moderator, Professor Christian Floto, Leiter der Wissenschaftsredaktion des Deutschlandfunks, Professorin Margret Sauter, Botanikerin der CAU, Professor Martin Nolte, Sportrechtswissenschaftler der CAU, und Susann Morgner von der Agentur für Wissenschaftskommunikation con gressa. Es ging um Wissenschaftsstars, Wissenschaftsjournalisten, um Prinzipien des Wissenschaftsjournalismus und die Kopplung von Wissenschaft und Medien. Laut Floto müssten wissenschaftliche Themen in den Medien durch Reduktion, Segmentierung, Veranschaulichung und Transformation verständlich gemacht werden, schließlich seien Medien „ein Supermarkt und kein Spezialitätengeschäft“. Alles in allem ein interessantes Thema, aber nicht sehr spannend umgesetzt. Vielleicht war die Zeit für eine wirklich gelungene Diskussion zu kurz. So blieb auch das Fazit aus. Das Publikum war dabei nicht gerade studentisch, vielleicht weil die Studenten zu spät waren und keine Karten mehr bekamen. Dafür waren aber wieder die Senioren da und wie üblich leicht aufzuregen. „Hier sitzt das Publikum, sie sollen zum Publikum sprechen! Nicht zum Moderator!“.

Tatsächlich der Prof of the Night Foto: asw

Tatsächlich der Prof of the Night Foto: asw

Die Wissenschaften sollen sich mehr in den Medien präsentieren, auch um der Öffentlichkeit zu zeigen, was mit den Geldern passiert, die in die Forschung investiert werden, war Konsens der Diskussion. Und auch Professor Duschl sieht das als Motivation, an der Night of the Profs mitzuwirken. Seit drei Jahren in Kiel, nimmt er schon zum zweiten Mal daran teil. Sein Thema: „Die Sonne – das größte Kraftwerk der Erde.“, welches er speziell für diesen Anlass für die breite Masse aufbereitete. Gelungen muss man sagen. Nicht nur informativ, sondern auch sehr amüsant, erklärt Duschl das Leuchten der Sonne, Nordlichter und allgemein die vielen Wechselwirkungen zwischen Sonne und Erde. Das Angebot der Uni Kiel im Großraum zu verbreiten ist ihm wichtig, es macht ihm Spaß, interdisziplinär zu arbeiten und den Kontakt nach außen herzustellen. Die „Night of the Profs” ist für ihn gelehrte Abendunterhaltung, die den Aufwand auf jeden Fall wert ist. Nicht nur für seine Vortragsweise, sondern auch für seine Einstellung ernennen wir ihn zu unserem „Prof of the Night“.

Dies war aber nur ein Beispiel für eine gelungene Vorlesung. So fanden sich für viele Geschmäcker interessante Vorträge, wie „Urknall, Quarks und künstliche Atome“ aus der Physik oder „Turne statt Urne“ aus dem Bereich des Sportrechts. Unbestreitbar ist die Idee der „Night of the Profs“ wirklich gut, und wird auch vom Publikum nachgefragt, was man an dem großen Besucherstrom ablesen kann. Leider ist die Umsetzung und Organisation noch verbesserungswürdig, so schließt das vorgegebene Motto nur einige wenige Fachbereiche ein. Ein weiter gefasstes Oberthema könnte auch ein größeres Spektrum an Disziplinen vereinen. Und es war tatsächlich eine „Nacht der Professoren“, nicht „Professorinnen“. Einzig Professorin Tina Treude war als Vertreterin des weiblichen Geschlechts aktiv. Dabei hat die CAU doch sehr viel mehr als eine qualifi zierte Professorin zu bieten – auch in den Naturwissenschaften.

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