Schaurige Experimente
23. Januar 2010 | Kategorie: Hochschule Keine Kommentare »Das große Schlottern im IPN
von Andrea Weinke
Wisst ihr was im dritten Stock des IPN in der Olshausenstraße 62 vor sich geht? Schaurige Dinge gehen um. Menschen mit Metallkästen an den Armen stehen die Haare zu Berge, von ihren Händen bahnt sich ein Gestrüpp von Kabeln seinen Weg. Zombies, Studenten die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind oder ausgebrochene Forschungsfehlschläge?
Nein. Es sind Probanden der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Kaernbach. Im Visier ihrer Arbeit steht die Gänsehaut. Bei den Metallkästen handelt es sich um eine Kamera deren Bilder später mit Hilfe einer Software ausgewertet und mit anderen gemessenen Parametern wie Schweißabsonderung, Atmung, Durchblutung und Herzschlag in Verbindung gebracht werden. Das einzige Unheimliche an den Personen, die an den Versuchen teilnehmen ist, dass sie in der Lage sind ohne äußerer Einfl üsse eine Gänsehaut hervorzurufen. Und auch das lässt sich erklären: Jeder Mensch hat einen Nacken- Schulter-Punkt, der bei Stimulation durch bewegen der Schulterblätter das Aufstellen der Haare hervorruft. Mit ausreichender Übung kann das laut Diplom-Biologe und Gänsehautforscher Björn Katzur jeder. Die Gruppe ist aber auch der emotionalen Gänsehaut auf der Spur. Hier sind es Musik oder Filmszenen wie der Kältetod Jacks beim Versuch mit der Titanic trockenen Fußes in Amerika anzukommen, die von den Probanden bevorzugt ausgewählt werden.
Aus physiologischer Sicht ist Gänsehaut nichts weiter als das Verkürzen eines kleinen Muskels an der Haarwurzel, wodurch das Haar aufgestellt wird. Tiere nutzten diesen Effekt wenn sie bedroht werden oder selber ein anderes Tier bedrohen. Der Körper wirkt größer und soll das Gegenüber einschüchtern. Auch ist es ein effektiver Kälteschutz. Denkbar ist, dass die Ergebnisse der Kieler Forscher später im Bereich der Werbung und des Films oder auch beim Überwachen von Krankheiten helfen. Im Vordergrund steht aber das Verständnis darüber was das Phänomen Gänsehaut ist und warum es bei uns auch in Momenten emotionaler Erregung auftritt.
Wer auch einmal seine Haut für die Forschung zur Verfügung stellen will, kann sich unter gaensehaut@katzur.de melden.