Was bleibt?
23. Januar 2010 | Kategorie: Hochschule Keine Kommentare »Erste Erfolge nach der Besetzung bereits erzielt
von Fatima Krumm
Die Bierkisten unter der Treppe wurden entsorgt und die Sofas weggeschafft. Eifrig lernende Studenten wie eh und je, statt auf der Isomatte schlafende, huschen durch die Alte Mensa. Nur die fehlende Uhr im Hebbel-Hörsaal erinnert an die Besetzung. In der letzten Pressemitteilung wurde sie für beendet erklärt. Jedoch ist das nicht das Ende der Proteste; diese gehen in die nächste Runde. „Die Notwendigkeit darauf aufmerksam zu machen, gehört werden zu wollen, ist nicht mehr gegeben.”, sagt Marcel Mansouri, Bachelor-Student der Politkwissenschaften und Soziologie. Direkte Gespräche mit dem Bildungsausschuss fanden bereits statt und weitere sind geplant. Der Kontakt beschränkt sich jedoch nicht nur auf Gespräche. So ging eine Anfrage des Landtags an das Plenum der Alten Mensa, schriftlich Stellung zu nehmen, inwiefern die Studierenden in die Hochschulreform 2007 miteinbezogen wurden. Denn schon damals wurden die Forderungen, wie z.B. freier Masterzugang in den Gesetzesentwurf eingearbeitet und vorgelegt, fanden aber bei der Umsetzung keinerlei Beachtung. Dadurch wurde deutlich bewiesen, dass die studentische Selbstverwaltung nicht ernst genommen wird. „Wir lassen uns nicht mit Ritualismus abspeisen. Wenn wir angehört werden, soll auch auf uns eingegangen werden.”, so Mansouri. Man fordert, als ernsthafter Verhandlungspartner in Erwägung gezogen werden.
„Die Verantwortlichen haben eingesehen, dass sie uns nicht ignorieren können.” Unabhängig von der Besetzung entsteht zur Zeit die Hochschulgruppe Bildungsinfo (Niederlassung im alten Fahrradladen in der Uni-Ladenzeile am Westring), welche sich die Aufklärung der Studierenden zur Schaffung einer kritischen Öffentlichkeit zum Ziel setzt. „Um die Studenten zur Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen, ist es notwendig, dem Einzelnen zu zeigen, wie die Proteste mit dem eigenen Studium zusammenhängen.”, sagt Henning Meinken, Mitglied der HSG Bildungsinfo. Es muss ein Bewusstsein dafür entwickelt werden. „Jede Bewegung ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Man kommt nicht weiter, wenn es eine gut informierte Minderheit und eine halb informierte Mehrheit gibt.”, kommentiert Mansouri. Demnach sind die Protestaktionen nicht beendet, sie fi nden nur nicht mehr in Form einer Demonstration oder Besetzung statt.
Insgesamt können die konstruktiven Dialoge mit dem Präsidium und die Zusicherung eines selbstverwalteten studentischen Freiraums als erste nachhaltige Erfolge verzeichnet werden. Die nächste Vollversammlung wird voraussichtlich Ende April stattfinden. Des Weiteren zeigen die kontinentaleuropäischen Protestaktionen, dass der Bologna-Prozess nicht nur ein deutsches Problem ist. Internationale Einheitlichkeit ist defi nitiv nicht zu erkennen. Dennoch wird die Jubiläumskonferenz zum Ende der ersten Phase der Erschaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums in Österreich und Ungarn im März stattfi nden. Ein Gegengipfel der Studierenden ist bereits in Planung.
Wir können zwar nicht einmal innerhalb Deutschlands problemlos die Universität wechseln, streben dafür aber das gleiche Universitätswesen wie der Vatikan – ebenfalls Unterzeichner der Bologna- Erklärung – an. Gesegnet sei die erhöhte Mobilität der Studenten!
