Yin und Yang an der Elbe
23. Januar 2010 | Kategorie: Kultur Keine Kommentare »Soul kitchen, der neue Film von Fatih Akin
von Johannes Dreibach
Die Freundin in China, der Bruder im Knast und dem eigenen Restaurant droht ein Verkauf an einen alten (heute schwerreichen und äußerst ominösen) Schulkameraden. Zugegeben, es könnte besser laufen. Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) steht irgendwo auf der Schwelle zwischen „einfach weitermachen“ und „der Freundin hinterher nach Shanghai reisen“. Doch irgendwie lässt sich kein Restaurantbetreiber für das „Soul Kitchen“ finden und dann besetzt auch noch Zinos Bruder (Moritz Bleibtreu) die Kaschemme, um zwecks täglicher Zellenabstinenz so zu tun, als würde er arbeiten.
Um es kurz zu fassen: Der Film beginnt ruhig und dennoch angespannt, explodiert in der Mitte in einer fast lustigen Unglücksorgie des Protagonisten, der dabei sprichwörtlich so gut wie alles verliert, und glättet sich schließlich ganz komödienhaft und fast wie von allein zu einem ziemlich zufrieden stellenden Ende. Manchmal fragt man sich ja, was eigentlich aus dem waschechten klassischen Disney-Bösewicht geworden sein mag. Doch ausgerechnet hier läuft noch ein echtes Prachtexemplar rum, in Gestalt des menschenlosen Kapitalismus, der fast schon zu stereotypisch böse ist und am Ende dann auch seine gerechte Strafe erhält. „Soul Kitchen“ reagiert generell auf Ungerechtigkeit mit seiner ganz eigenen Art. Zinos pöbelt, wenn ihm irgendetwas nicht in den Kram passt, drückt aber auch genauso ungehemmt seine absolute Unterstützung aus. Es handelt sich hierbei logischerweise nicht um unterdrückte Stressbewältigung, sondern ein befreiendes „Ach Kacke!“- Rufen, wenn’s mal wieder nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.
Was bleibt? Filmisch gesehen eine (fast schon zu) lupenreine Komödie mit einem Hang zur Übertreibung, ein ziemlich gutes und spielfreudiges Ensemble und 100 Minuten treiben lassen ohne Reue.
