Der Albrecht
Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Covergirls aus der Wissenschaft

“Frauen die forschen” im Fokus

von Mirjam Rüscher Reher und Imke Schröder

Porträt: Thisbe Lindhorst, Institut für Organische Chemie an der  Kieler Universität. - Foto: Bettina Flitner

Porträt: Thisbe Lindhorst, Institut für Organische Chemie an der Kieler Universität. - Foto: Bettina Flitner

Ist es heutzutage noch nötig, Frauen in der Forschung hervorzuheben? Sind forschende Frauen immer noch etwas Besonderes? Scheinbar schon: Der Universitätsbetrieb zeigt, dass auch heute noch Frauen unter Wissenschaftlern eine Seltenheit sind. Und wo es sie gibt, stehen sie häufig hinter ihren männlichen Kollegen zurück. Dieser Tatsache widmet sich die Fotografin Bettina Flitner. Sie porträtierte 25 Wissenschaftlerinnen aus Deutschland und der Schweiz in ihrem Arbeitsumfeld, wie zum Beispiel die erste deutsche Nobelpreisträgerin im Bereich der Medizin, Prof. Christiane Nüsslein-Volhard. Ihr Ziel ist es, die Frauen in der Forschung sichtbar zu machen. Auch mit ungewöhnlichen Methoden: So werden die Forscherinnen auch mal kurzer Hand in ein kleines Boot auf einen See verfrachtet, um ein interessanteres Porträt zu bekommen – auch wenn die Fotografin dabei zuerst skeptische Blicke erntete.

Doch im Bereich der Frauenporträts ist Bettina Flitner kein Neuling: Dem Projekt vorangegangen ist ein Fotoband mit Texten von Alice Schwarzer „Frauen mit Visionen. 48 Europäerinnen“ – mit Angela Merkel als „Covergirl“. Das Ergebnis dieser Arbeit ist die Ausstellung „Frauen, die forschen“. Am 9. April um 16.00 Uhr fand im Wissenschaftszentrum Kiel die Eröffnung statt. Die Ausstellung begleiten zahlreiche Fachvorträge nationaler und internationaler Wissenschaftlerinnen. Bis zum 31. Mai 2010 ist die Wanderausstellung, mit Etappen wie Berlin, Bonn, Genf, Göttingen und München, in Kiel zu Gast. Die interessierten BesucherInnen der Ausstellung erhalten einen Einblick in verschiedenste Forschungsprojekte.

So hat es die CAU Prof. Dr. Thisbe Lindhorst vom Otto-Diehls-Institut für organische Chemie zu verdanken, dass die Ausstellung in Kiel Station macht. Auch wenn es grundsätzlich eine schöne Idee ist, forschende Frauen bekannter zu machen oder Interesse für sie zu wecken, ein Wermutstropfen bleibt: Forschende Geisteswissenschaftlerinnen sucht man leider vergeblich. Und natürlich ist es löblich, dass Frauen aus der Forschung vorgestellt werden – doch haben sie es wirklich nötig? Es gibt weniger Doktorandinnen, Professorinnen und Nobelpreisträgerinnen. Doch mal ehrlich: Wer kennt schon die Namen der lebenden Spitzenforscher, geschweige denn kann sich dazu ein konkretes Gesicht vorstellen? Ziel sollte viel mehr sein, der Wissenschaft allgemein in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu verschaffen. Denn darin liegt doch das Problem: Deutsche WissenschaftlerInnen finden mit ihren Projekten selten den Weg in die Medien. Forschung sollte nicht nur für ForscherInnen betrieben werden.

„Frauen, die forschen“
Datum: 9. April bis 31. Mai
Zeit: Montags bis Freitags 8:00 – 17:00 Uhr
Ort: Wissenschaftszentrum Kiel, Fraunhoferstraße 13
Der Eintritt ist frei.

„Frauen, die forschen. 25 Porträts — Mit einer Einführung von Dr. Anette schavan“ von Bettina Flitner und Jeanne Rubner, 240 Seiten, , 29,90 Euro, Erschienen bei Verlag Rolf Heyne

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