Audiolith: Auf Augenhöhe
8. Juni 2010 | Kategorie: Kultur Keine Kommentare »Ein Besuch beim Fachmann für Electropunk
von Kilian Haller
Seit 2003 personifizert Lars Lewerenz das Musiklabel Audiolith. Aus einem Do-It-Yourself-Betrieb in der eigenen Wohnung ist eine feste Institution in der deutschen Musiklandschaft geworden, die mit neuen Alben von Frittenbude, Bratze und Egotronic gerade wieder Staub aufwirbelt.
DER ALBRECHT: Wie fing das eigentlich an mit dir und der Musik?
LARS LEWERENZ: Ich fang die Geschichte immer mit dem Konfirmanden-Unterricht an, wo ich nur einmal war und dann gesagt hab: ‘Mami, das ist nix für mich, die Leute rennen da nur wegen der Kohle hin.’ Mein Vater hat mir dann stattdessen eine E-Gitarre gekauft.
Mit der ersten Oi-Punk-Band geht es weiter für Lewerenz: Er beginnt die Platten eines amerikanischen Independent-Labels zu importieren. Als dieses einen eigenen Vertrieb bekommt, gründet er Audiolith. Mittlerweile beschäftigt Lewerenz einen freien Mitarbeiter sowie einen Praktikanten und blickt auf 82 Veröffentlichungen zurück.
Gibt es ein bestimmtes Programm bei der Auswahl der Bands?
Ich hab’ da nie irgendeinen Plan entwickelt, das ist beim Machen entstanden. Es muss gute Musik sein, die die Leute berührt, mit der die Leute sich identifizieren können, für die sie auch Geld ausgeben wollen.
Wie ist das mit der politischen Einstellung?
Es gibt (verschiedene) politische Einstellungen – und das find ich auch wichtig. Es geht auf jeden Fall auch darum, sich für politische Geschehnisse zu interessieren – also dass man mal Stellung bezieht, Soli-Konzerte spielt und so weiter. Aber es gibt keine Gleichschaltung, jeder kann da frei entscheiden wofür er einsteht.
Im Frühjahr lädt Lewerenz drei Bands, einige Journalisten und gewaltige Vorräte an Bier und Wodka-Red-Bull in einen Bus zur „Dorfdisko-Geiselfahrt“ und kutschiert durch vier Dörfer in ganz Deutschland. Das Ergebnis: Audiolith kommt nicht nur mit Reviews, sondern mit Geschichten in die Zeitungen.
Du sagst „Wird langsam Zeit, dass die CD stirbt“. Ist es dir wichtig, neue Distributionswege auszuprobieren?
Jeder kann heutzutage am Rechner ein gutes Album aufnehmen, eine CD pressen und eine Webseite machen, wenn er nicht ganz doof ist. Aber die Kunst ist ja eigentlich, das zu verkaufen. Ohne ein Feedback würde das gar nicht gehen – daher machen wir immer wieder Aktionen, mit denen wir die Leute einbeziehen. Die merken dann: Das sind Typen auf Augenhöhe, genauso wie du und ich.
Wie geht’s denn bei euch weiter dieses Jahr?
Wir haben extrem viel zu tun. Da kommt der Audiolith-Pferdemarkt; das sind eigene Bühnen, die wir auf Festivals schmeißen. Im Herbst gibt es neue Alben von der Band Saalschutz und Ira Atari sowie eine Veranstaltungsreihe im Hafenklang, wo wir neue Künstler vorstellen werden. Da kommt noch so einiges!
Vielen Dank für das Gespräch!
Wenn die Leute das lesen und irgendwelche Fragen haben oder Ideen haben, können sie mir gerne schreiben, Lars@audiolith.net. Ich steh’ Antwort und Rede!
Wir verlosen ein Audiolith-Überraschungspaket mit CDs und Merchandise. Einfach bis zum 20. Juni eine E-Mail mit dem Codewort „Panda-Fetisch“ und Kontaktdaten an redaktion@der-albrecht.de schicken.
