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	<title>Der Albrecht &#187; Sechseckbau</title>
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	<description>Unabhängige Hochschulzeitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel</description>
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		<title>Liebe mal ungeschönt</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 11:12:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Equilibrium]]></category>
		<category><![CDATA[Sechseckbau]]></category>
		<category><![CDATA[Unitheater]]></category>

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		<description><![CDATA[Vier Personen und verschiedene Beziehungskombinationen machen das Chaos im Stück "Hautnah" perfekt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="unt">Die Theatergruppe „Equilibrium“ feierte mit ihrem neuen Stück „Hautnah“ Premiere im Sechseckbau</span></p>
<p><em>von Mira Wrede</em></p>
<p>Vier Charaktere, die sich über vier Jahre gegenseitig lieben, hassen, belügen und bewahrheiten. Das ist die grobe Handlung des Theaterstückes „Hautnah“ von Patrick Marbers, das am 28.05. Premiere im Sechseckbau feierte. In zum Teil sehr dreckiger Sprache wird dem Zuschauer ein Paradebeispiel an komplizierten Beziehungen geliefert, bei denen jeder jeden betrügt und doch immer wieder verzeiht &#8211; oder eben auch nicht. Zwischen den Zeilen über die Extremen der Liebe, die auf der Bühne programmiert werden, findet sich der eine oder andere sicher wieder und so geht das Stück auch mit einer gewissen Selbstreflexion einher. Alice, Anna, Dan und Larry stehen im Mittelpunkt der Handlung, was durch das schlichte aber raffinierte Bühnenbild und dem traditionellen Lichtkegel unterstrichen wird. Etwas Fantasie muss der Zuschauer schon mitbringen, so ist eine Stuhlreihe abwechselnd Warteraum einer Arztpraxis, Sitzgelegenheit in einem Aquarium oder Schauplatz in einem Stripclub. Gleichzeitig werden die Grenzen der Zeit gesprengt, so dass es gelingt Szenen, die zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden, gleichzeitig darzustellen. „Hautnah“ ist kein Stück, dass mit großem Herzschmerz und Dramatik über die verlorene Liebe aufwartet, sondern durch die pure Wahrheit über „moralische Vergewaltigung“ und die Ecken und Kanten der Liebe erzählt. Gleichzeitig werden jedoch auch herrlich komische Situationen geschaffen: „Ich liebe dich…aber ich muss mal pinkeln“. Mit viel derben Humor und einem Wortschatz, der vor allem aus „ficken“, „Schlampe“, „Fick“ und „Schwanz“ zu bestehen scheint, hebt sich die Handlung von den üblichen Liebesdramen ab und zeigt eine eigene Definition von Liebe, die die Realität schmerzlich genau abzubilden scheint. Insgesamt kann es sich jedoch negativ auf das Stück und auf die eigene Wahrnehmung auswirken, wenn man den dazugehörigen Film kennt, da es schwer fällt in keine vergleichende Haltung zu geraten. So würde der eine oder andere Mann Natalie Portman und die eine oder andere Frau sicher Jude Law vermissen. Fakt ist , dass die Theatergruppe Equilibrium mit guter schauspielerischer Leistung ein Stück auf die Bühne gebracht hat, das Liebe, Sex, Lüge und Wahrheit in authentischer Weise vermittelt.</p>
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		<title>Emilia Galotti im Sechseckbau</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 06:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jenni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Emilia Galotti]]></category>
		<category><![CDATA[Sechseckbau]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[von Hendrik Lux
Die studentische Theatergruppe „tomwaitsforgodot“ präsentiert Lessings bürgerliches Trauerspiel über Emilia Galotti und ihre geplante Heirat in einer experimentellen Inszenierung. Die Namensgeberin wird als Figur aus dem Stück gestrichen und durch eine Videokamera und eine dazugehörige Projektionsfläche ersetzt. Dies ist eine phantastische Idee, da so die Getriebenheit und Passivität der Emilia in der Vorlage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Hendrik Lux</em></p>
<p>Die studentische Theatergruppe „tomwaitsforgodot“ präsentiert Lessings bürgerliches Trauerspiel über Emilia Galotti und ihre geplante Heirat in einer experimentellen Inszenierung. Die Namensgeberin wird als Figur aus dem Stück gestrichen und durch eine Videokamera und eine dazugehörige Projektionsfläche ersetzt. Dies ist eine phantastische Idee, da so die Getriebenheit und Passivität der Emilia in der Vorlage verdeutlicht wird. Auch das Bühnenbild verdient Lob, da hier Umzugskartons kreativ zur Verstärkung der Handlung eingesetzt werden. Wer Interesse an einer intelligenten Umsetzung des Stoffes hat, sollte einen Blick riskieren. Zu sehen ist das Stück am 20., 22., 23., 25. und 27. November um 20 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Emilia Galotti</span><br />
<span style="color: #999999;">20., 22., 23., 25. und 27.11.2009, 20 uhr Eintritt 5 Euro, Sechseckbau </span></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Unitheater</title>
		<link>http://www.der-albrecht.de/2009/07/20/ich-glaube-dass-eine-stimmung-wieder-wach-werden-kann/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 15:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian Kruse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gier]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Kane]]></category>
		<category><![CDATA[Sechseckbau]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schauspielgruppe "Onkel Hotte and the pink tütüs" inszeniert „Gier“ von Sarah Kane, einer der provokantesten und skandalträchtigsten Bühnenautorinnen der letzten Jahre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="unt">&#8220;Gier&#8221; von Sarah Kane</span></p>
<p><em>von Tim-Florian Goslar</em></p>
<p style="text-align: center;"><em></em></p>
<div id="attachment_871" class="wp-caption aligncenter" style="width: 608px"><em><em><img class="size-full wp-image-871" style="margin-left:-8px;" title="Körper finden zueinander - Foto Rainer Otte" src="http://www.der-albrecht.de/wp-content/uploads/gier.jpg" alt="Körper finden zueinander - Foto Rainer Otte" width="598" height="397" /></em></em><p class="wp-caption-text">Körper finden zueinander - Foto Rainer Otte</p></div>
<p><em></em></p>
<p>Wer redet hier eigentlich mit wem? Wer ist wer? Wer bist du und wo, wo ich und wer überhaupt – und dann: was bedeutet hier, was ich? Wie gefiele es dir, wenn ich dich kennen lernen würde? Würde. Kennst du dich? Sprach ich mit dir, mit mir? Habe ich mich deshalb verhört, vielleicht deshalb nicht zugehört? Ich höre Stimmen. Stimmt, jedoch nur wenn sie sprechen. Doch bin ich mir dessen sicher? Sicher? Nicht wenn ich mich mit mir alleine bin. Wer sprach noch gleich mit wem?</p>
<p>Wer monologisiert, muss in Kauf nehmen das Interesse seiner Zuhörer zu verspielen. Wer sich heutzutage mitteilen möchte, bitte nur, wenn es auch interessiert, das heißt, wenn er sich nicht ausschließlich auf sich selbst bezieht. Und wer leicht affektiert auftritt, zudem den Verdacht schizophrener Züge erweckt, der wird schlimmstenfalls weggesperrt.</p>
<p>Egozentrismus ist nur natürlich, vielleicht notwendig, letztlich jedoch verpönt, ebenso wie psychische Krankheiten. In ein anderes Licht rückt dies jedoch, wenn die Facetten eines zerrissenen Ichs in die Form der Kunst gegossen werden. Die Öffentlichkeit ist mit einem Mal bereit, sich auch Grenzphänomenen auszusetzen. Interessant wird es, wenn nicht eindeutig ist, ob ein psychologisches Krankheitsbild oder vielleicht doch bloß ganz normaler Wahnsinn dargestellt wird. Für die Inszenierung von „Gier“ muss jedoch eine Entscheidung getroffen werden. Vielleicht liegt dem Text „eine Art schizophrener Persönlichkeit im Ganzen“ zugrunde, vielleicht sind es aber auch „vier Stimmen, die Charaktereigenschaften haben, die in Konkurrenz zueinander stehen“, so Tim Albrecht, der Regisseur des Stücks. Die Gruppe hat sich entschieden.</p>
<p>Wenn bloß ein Text zugrunde liegt, ohne Regieanweisungen, ohne die Charaktere zu definieren. Wenn Handlungen einzig aus den Dialogen heraus entstehen können und die verschiedenen Stimmen sich kaum zu einheitlichen Figuren verdichten wollen, fließend ineinander übergehen, sich im Raum verlieren und doch irgendwie den anderen hingeben, um sich dann wieder zurück zu ziehen, stehen Dramaturgie und Regie vor der Aufgabe, aus dem scheinbaren Nichts schöpfen zu müssen. Es gibt nur den Text, alles ist Sprache. Weshalb also nicht einen Weltzugang wählen, der ausschließlich dialogisch kommuniziert, in sich, und oberflächliche Beschreibungen, Beschreitungen des Umfelds außen vor lässt?</p>
<p>Wer sich Sarah Kane annimmt und auf die Bühne bringen möchte, muss sich zwangsläufig damit auseinandersetzen – und die Textgrundlage doch irgendwie in eine Art Umfeld integrieren. Die Protagonisten sind A, B, C und M. Der Ort, an dem sie sich befinden, ist unbekannt. Und wie weiter? Die Schauspielgruppe &#8220;Onkel Hotte and the pink tütüs&#8221; stand vor solchen und ähnlichen Fragen, denn Kanes „Gier“ sollte auf die Bühne. Geplant war ursprünglich „was Kleines, was nicht so aufwendig ist.“ Der Stichtag für dieses Unterfangen lag zunächst im Mai dieses Jahres. Beides lief jedoch nicht ganz wie geplant. Aus organisatorischen Gründen rückte zunächst der Termin für die Premiere weiter nach hinten und „die Probenzeit hat viel länger gedauert, als ich vorhergesehen habe“, so Albrecht, während er seinen Blick durch den noch leicht chaotischen Sechseckeckbau schweifen lässt.</p>
<p>Er hat bereits ein wenig Übung mit dieser Art der Textgrundlage. Als erstes Stück inszenierte er „Mein junges idiotisches Herz“ von Anja Hilling. Auf Regieanweisungen wird auch hier verzichtet. „Gier“ besitzt im Gegensatz dazu jedoch „sehr viele schnelle Textpassagen“, die die Koordination der Einsätze und Handlungen aufwendiger gestaltet. Wenn keine Handlungen vorgeben sind, keine Beschreibungen der Charaktere, ist die Arbeit an der Umsetzung „offener für Stimmungen und Atmosphäre.“ Eine Offenheit, die es zu erschließen gilt. „Man kann sich zwar vom Text beeinflussen lassen, aber Handlungen sollten dazu erarbeitet werden, es sollte etwas mit den Körpern passieren.“ Eine Entwicklung, die Zeit beansprucht; es kommt zwar „ganz viel aus dem Bauch, doch ob es funktioniert, entwickelt sich.“ Am Anfang stand die Textarbeit, „die Handlungen wurden erst im Laufe der Zeit dazu angelegt.“</p>
<p>Eine für die Bühne in Form gebrachte Textgrundlage existiert selbstverständlich. Es ist jedoch eher eine „umgekehrte Strichfassung, es ist eher mehr dazu gekommen.“ Um einen Ausgleich der Charaktere zu schaffen, tritt A in seinen Monologen nun kürzer und im Gegenzug erhalten die anderen Stimmen mehr Text, andere Passagen aus anderen Stücken Kanes, die sich gut einfügten. Nicht nur der Text bleibt nah an der Vorlage. Auch die oberflächlich nicht artikulierten Kernthemen, die unausgesprochenen, oftmals mitschwingenden Grundmotive sind aufgegriffen und symbolisch als Teil des Bühnenbildes dargestellt oder in den Handlungsverlauf der Charaktere übersetzt worden. So sind die weißen Kleider der Darsteller letztlich zwar „pragmatisch, weil sie dreckig werden.“ Doch eingebunden in den dramaturgischen Verlauf übernehmen sie zusätzliche Funktionen, dort „wo der Körper eine wichtigere Rolle spielt.“</p>
<p>Während die Sprache die Körper der Stimmen bewegt, die Körper gleichzeitig in Sprache aufgehen, zieht die Inszenierung den Zuschauer in ihre Welt. Vier Darsteller, die in der Mitte des Sechseckbaus agieren, die bloß sich selbst und einen Garten als Anhaltspunkt besitzen. Vier Körper, die sich näher kommen und abstoßen, die sich bewusst abschotten und doch akzeptiert werden wollen. Vier Stimmen, die beständig aus sich herausgehen, die Grenzen überschreiten und doch den Eindruck von Beständigkeit erwecken wollen. Das unschuldige Weiß wird sich verlieren, die Stimmen werden zueinander finden, vielleicht aber auch nicht – zumindest ihre Körper werden für kurze Zeit im harmonischen Schlammbad vereint sein, wenn der Garten geflutet wird. „Eine Art von Wahrheit oder Wahrhaftigkeit“ ist es, die die Schauspielgruppe definieren will.</p>
<p>Der Text Kanes wirft zunächst Rätsel auf, Lücken werden sichtbar, die es zu füllen gilt. Doch „Onkel Hotte and the pink tütüs“ haben eine gut durchdachte Inszenierung auf die Beine gestellt. Jedes Detail hat seine Funktion, alles seinen Platz und nichts wirkt, als sei es lediglich auf der Bühne, um Eindruck zu schinden. Die zunächst nicht geplante und ebenso ungewollte Verzögerung hat ihr Gutes. Das Stück ist rund, durch und durch. „Was hier auf der Bühne passiert, damit bin ich echt zufrieden und mittlerweile beruhigt“, sagt Albrecht mit einem Lächeln. So kurz vor der Premiere bleiben nur noch Kleinigkeiten zu regeln: „Sicherheitsgeschichten, Stolperfallen beseitigen, sauber machen.“</p>
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		<title>Wenn Atmen zum Problem wird</title>
		<link>http://www.der-albrecht.de/2009/02/09/wenn-atmen-zum-problem-wird/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 15:31:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian Kruse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Faust]]></category>
		<category><![CDATA[Sechseckbau]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines der am häufigsten aufgeführten Bühnenstücke unserer Kulturlandschaft findet seinen Weg in den Sechseckbau: Goethes Faust. Die Gruppe Rollentausch nimmt sich beider Teile an und will die Kluft zwischen Begeisterung und Unverständnis überbrücken. Was fasziniert, liegt oftmals im Dunkeln. Zudem habe Goethe „seine Stücke nicht geschrieben, damit sie aufgeführt werden.“ Doch wie einen solchen Umfang an Inhalt inszenieren? Ein Blick hinter die Kulissen verrät mehr. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="unt">Ein Probenbesuch bei der Theatergruppe Rollentausch</span></p>
<p><em>von Tim Goslar</em></p>
<p>Im Januar wird die Theatergruppe Rollentausch Goethes Faust auf die Bühne bringen – beide Teile. Eine gewisse Vorfreude lässt sich angesichts dessen nicht leugnen und damit verbunden eine ebenso gewisse, doch sicherlich noch unbestimmte Erwartung. Zuletzt inszenierte Peter Stein im Jahr 2000 den gesamten Faust. Ein enormer Aufwand. 12110 Verse, gemäß der Vorlage, forderten 19 Stunden auf der Bühne. Ein Marathon. Beruhigend, dass auch Stein den zweiten Teil nicht sogleich verstand. Er „wusste natürlich, dass Faust II ein großartiges Werk ist“, denn das „wissen ja alle. Nur, was da drin steht, ist einem nicht helle geworden“, sagte Stein im Gespräch mit dem ZDF anlässlich der TV-Adaption seiner Inszenierung.</p>
<p>Vielleicht ergeben sich durch die unmittelbare Nähe zu den Vorbereitungen im Sechseckbau neue Einsichten. Zudem scheint besagtes Stück laut Ankündigung nicht allzu schwer verständlich – zwei Sätze reichen aus, um das Wesentliche auf den Punkt zu bringen.</p>
<p>Bettina Hansen ist die Verantwortliche hinter den Kulissen. Bereits seit ihrer Jungend widmet sie sich dem Theater. Zunächst selbst als Darstellerin, später dann, und das seit nunmehr fünfzehn Jahren, als Regisseurin mit ihrem Konzept der Theatergruppe Rollentausch. Den einzigen festen Kern bildet sie selbst, die Darsteller sucht sie sich für jedes Stück neu, dem Stück angemessen. Die Anfrage, den Proben beiwohnen zu dürfen, erwidert sie mit freundlicher Bereitschaft.</p>
<p>Am Sechseckbau angekommen, bleibt ein Schmunzeln nicht aus. Dass die Vorbereitungen in vollem Gange sind, ist unübersehbar. Farbtöpfe, Zeitungen, die als Unterlagen dienen, Holz, mehr oder minder in Form gebracht und ein Bühnenbild in Fragmenten. Alles wirkt ein wenig provisorisch und durcheinander. Nicht jedoch die Regisseurin, denn letztlich sei das normal. Immerhin habe man noch zwei Wochen – mehr als genug Zeit. Mitsamt Unterlagen und Anlage in unmittelbarer Reichweite koordiniert sie ihre Darsteller in Teilen des Stücks, in vereinzelten Szenen, noch gelöst vom Ganzen.</p>
<p>In der Mitte der Bühne steht eine drehbare Plattform. Links und rechts davon Gerüste, mittig durch Vorhänge wenig dessen preisgebend, was sie verbergen sollen, an den Seiten offen. Die erste Szene wird geprobt. Doch die Darsteller hinter den Vorhängen bleiben kaum unbemerkt, schauen neugierig hervor, wenn wieder einmal etwas nicht lief wie geplant. Bettina Hansen lässt die Szenen noch einmal von vorne spielen. Dann ein verzweifelter Ausruf Gretchens: „Jetzt habe ich wieder geatmet“ – oft sind es die Darsteller selbst, die wissen, dass etwas nicht stimmig war. Und wenn einmal nicht, führen eindeutigere Anweisungen wie „Mir ist es scheißegal, ob du das fühlst“ und die entschlossene Bereitschaft diese umzusetzen: „Ich verstehe es nicht, aber ich mache es“, letztlich doch zum gewünschten Ergebnis.</p>
<div id="attachment_382" class="wp-caption alignleft" style="width: 429px"><a href="http://www.der-albrecht.de/wp-content/uploads/faustartikel0901.jpg"><img class="size-full wp-image-382" title="Bei den Proben im Sechseckbau - Foto BK" src="http://www.der-albrecht.de/wp-content/uploads/faustartikel0901.jpg" alt="Bei den Proben im Sechseckbau - Foto BK" width="419" height="314" /></a><p class="wp-caption-text">Bei den Proben im Sechseckbau - Foto BK</p></div>
<p>Die provisorischen Umstände erheitern zusehends und erfordern Phantasie. Gretchens Kind ist ein Schal, der Schal wiederum, der dazu dient, Faust die Augen zu verbinden, sitzt zu eng, wird somit gegen ein Tuch mit Tigermuster ausgetauscht. Auf dem Putzeimer prangt der Name eines Ketchupherstellers, in dem Gretchen zu guter Letzt ihren Schal ertränkt. Subtile Kapitalismuskritik? Doch was derzeit noch skurril anmutet, sind lediglich kleine Unebenheiten, die bis zum Zeitpunkt der ersten Aufführung geglättet sein werden. Skizzen, deren Konturen immer wieder von Neuem nachgezogen werden, Teile eines Puzzles, das Bettina Hansen seit zehn Monaten zusammen setzt. Bis alles an Ort und Stelle ist. Noch laufen alle Fäden bei ihr zusammen, Kostüme und Bühnenbild unterliegen letzten Modifikationen, noch wird experimentiert, doch ab der ersten Hauptprobe hat sie nichts mehr zu sagen. Das Stück wird sich selbst und den Darstellern überlassen. Dieses von Grund auf zu konstruieren, Text kürzen, Darsteller aussuchen, Bühnenbild konzipieren, Licht und Ton koordinieren, die Aufführung versuchen in die richtige Form zu bringen, sie dann aber wiederum loslassen zu müssen, „das ist die Schwierigkeit und das Schöne“.</p>
<p>Tag zwei der Probenbesuche verspricht einen Durchlauf des gesamten Stücks. Die Darsteller sind diesmal annähernd vollständig kostümiert. Viele Stellen, die letztes Mal noch ein wenig holprig waren, sitzen mittlerweile. Die Zuversicht angesichts der verbleibenden Zeit und des provisorischen Zustands scheint nicht weiter verwunderlich. Nach einer Pause erfolgt die Probe des zweiten Teils. Zuvor bewirkten behelfsmäßige Utensilien eigentümliche Kuriositäten, nun regt sich hingegen der Verdacht, dass sämtliche Sonderbarkeiten gewollt sind. Gott schraubt während seiner Anwesenheit permanent an einem Radio und einige Kostüme erinnern an das, was derzeit entweder unter dem Begriff Retro sein Unwesen treibt oder in Köln kurz vor Aschermittwoch zu sehen ist. Dennoch entlocken sie durchaus das ein oder andere Lachen. Und letztlich passt es zu dem oftmals unverständlich konfusen Bild der Fortsetzung Fausts. Die erhoffte Erkenntnis bleibt jedoch aus, die Verwirrung bleibt.</p>
<p>Ausgerechnet die komplizierteren Passagen sind kaum Bestandteil des Stücks. Doch ist ein Bühnenstück dadurch eher verständlich, dass es sich exakt an die gegebene Vorlage hält? Sicherlich erfahre jeder Text zur Aufführung notwendigerweise eine Kürzung, so die Regisseurin. Zudem „ist Goethe ein dramaturgischer Idiot. Er hat seine Stücke nicht geschrieben, damit sie aufgeführt werden.“ Die Kernpunkte seien ohnehin die Wette zwischen Mephisto und Gott sowie Fausts Erkenntnis gegen Ende – eine Kürzung somit nur angemessen und notwendig um Goethe auf die Bühne zu bringen. Und wer hat schon die Muße 19 Stunden lang einer Aufführung beizuwohnen?</p>
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